Vatikanchronik „Weckt die Welt auf!“ (Rom-Kurier)

Rom-Kurier

November-Dez. 2016 Nr. 220

Vatikanchronik „Weckt die Welt auf!“

Eine Unterredung des Franziskuspapstes mit den Generaloberen

(Die Zeitung la Civiltà Cattolica vom 4. Januar 2014) Der Papst verlangt das Zeugnis, ohne daß Zeugen präsent sind. Die versammelten Generaloberen verschiedener Kongregationen waren unsicher, verwirrt und fragten, wie, wo und wann sie ihre Berufung entfalten könnten. Ihnen antwortete der Bergoglio-Papst mit dem Rat, Zeugnis zu geben: „Ich erwarte euer Zeugnis … Ihr müßt wirklich Zeugen sein, wobei die Art und Weise des Tuns und Verhaltens verschieden ist. Das Leben ist komplex, denn es besteht aus Gnade und Sünde. Wenn jemand nicht sündigt, so ist er kein Mensch“. Was steckt hinter einer derartigen Anweisung? Worin besteht die verschiedene Art und Weise zu handeln und aufzutreten? Und welchen Zweck verfolgt diese Direktive? Im weiteren Verlauf der Unterredung ließ der Papst alle Fragen unbeantwortet und seine Aussagen blieben allgemein. Wir haben bereits darüber geschrieben, hinter diesen unbestimmten und vagen Bemerkungen steht unbestreitbar und offenkundig die Feststellung, daß im Jahre 1962 der Bankrott der Kirche begonnen hat und datierbar ist. Von diesem Zeitpunkt an sollte der geistige Frühling ausbrechen, frische Luft in die Kirche bringen und das neue Pfingsten anfangen. Doch wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß alle diese Erwartungen nicht eingetreten sind. Der Papst verlangt ein Zeugnis.

Wovon? Auf welche Weise? Von wem? Und wann? Unsere Fragen sind keineswegs müßig, denn das traurige Schauspiel heute bestätigt, daß wichtige Werte z. B. die Heiligkeit, der Eifer, das gute Beispiel, die rechte Katechese und erhebende Spiritualität im Zustand der Auflösung sind. Wer aber ist der Zeuge? Wo ist der Seelenhirte, der „Joseph wie ein Schaf leiten soll“ (vgl. Ps 79,1). Wie können wir unter so vielen Gesichtern und Gestalten den Führer erkennen? Niemand meine, wir seien oberflächliche Nostalgiker! Wir sind es wohl in gewisser Weise; wir sehnen uns nach der Vergangenheit. Aber das erste sichtbare Zeichen, welches den Priester als Zeugen auswies, war der Talar; trotz der bekannten Sentenz, die Kutte mache nicht das Wesen des Mönches aus, erinnert diese Kleidung vor Gott und den Menschen, daß sein Träger die Weihe empfangen hat. Die Soutane zeichnete den Priester aus. Wir freuen uns, den Lesern zu dem angeschnittenen Thema folgende Begebenheit erzählen zu können. Ein Priester, mit dem ich vor etlichen Jahren gesprochen habe, hat sie mir mitgeteilt. Ende Juli, als die Hundstage ihren Höhepunkt erreicht hatten, saß er sich in einem Restaurant in Paris; natürlich war entsprechend der Temperatur gekleidet: leichte Hose und leichtes Hemd. An einem anderen Tisch in geringer Entfernung saß ein älterer Priester. Seine Kleidung war der altmodische, schwarze Talar; die Soutane hielt vorne eine Reihe roter Knöpfe zusammen. Der Geistliche schwitzte, sodaß er mit dem Taschentuch die Stirne abtrocknen mußte. Ein Mann in vorgerücktem Alter, den sichtbar ein inneres Leiden plagte, trat plötzlich an seinen Tisch. Zwischen den beiden Männern begann ein Gespräch. Väterlich beugte sich der alte Priester zu dem Gesprächspartner; mit geneigtem Haupte hörte dieser aufmerksam zu. Als der ältere Herr fortgegangen war, kam ein junger Priester heran und höflich lächelnd stellte er sich als Kollegen vor. Dann fragte er ihn, warum er an diesen drückend heißen Julitagen noch die Soutane trage; das Konzil habe ja dem Geist der Zeit Rechnung getragen und hielt dieses Priesterkleid nur für fakultativ, doch es war tatsächlich abgeschafft. Der alte Priester gab darauf die weise Antwort: Lieber Freund und Kollege, schauen Sie doch! Wenn ich von hier scheide und vor den himmlischen Herrn treten muß, will ich nicht, daß Er mir die Frage stellt: „Wo bist du gewesen, als ich dich nötig hatte?“ Da der junge Priester den Sinn dieser Worte recht gut verstand, schwieg er. Seit jenem denkwürdigen Tag trägt auch er den Talar, denn dieses Priesterkleid, so gestand er mir, „unterscheidet mich von den übrigen Menschen“ und hebt hervor, daß ich eine geweihte Person bin, denn im Zug, auf der Straße, im Gasthaus und im Supermarkt, in der Welt und an den Randgebieten der Welt haben die Seelen das Wort des guten Priesters nötig; daß er aber Priester ist, zeigt nach außen hin nur die Soutane. Das andere Zeichen, daß den guten Priester ausmacht, ist die Benutzung des Beichtstuhls; der Beichtstuhl aber stellt den Ort des Leidens und der Wiederherstellung, des Schmerzes und der Auferstehung dar. Leider wurde er heute zu einem staubigen Möbelstück herabgesetzt. Der Grund ist nicht das Fehlen von Priestern; die „Konzelebranten“ füllen ja die hl. Messe, besonders wenn das Fernsehen den Gottesdienst überträgt. Fehlt jedoch die rechte Vorstellung von Gottes Gerechtigkeit, hat sich nun einmal das Bild durchgesetzt, Gott sei nur barmherzig, dann nimmt die katholische Welt, Priester und Laien langsam aber sicher die Überzeugung Luthers an, der Christ könne die eigene Seele von der Sünde lossprechen, er brauche ja nicht mehr die Vermittlung durch den Beichtvater, da zwischen Gott und dem Sünder in direkter Weise eine persönliche Beziehung besteht. Andernfalls können wir nicht erklären, weshalb Paare, die unverheiratet zusammenleben, geschiedene, mit anderen Partnern wieder verheiratete Leute, ja sogar öffentlich bekannte Freimaurer keine Bedenken und keine Skrupel haben, die hl. Eucharistie zu empfangen. In einem solchen Fall muß der Priester richtig eingreifen. Anstatt daß er in der Predigt von soziologischen Analysen, ökonomischen Erörterungen und über Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit spricht, erwähnt er endlich die Sünde, die Gnade das Opfer und den Tod, das Gericht, die Hölle und das Paradies. Die volkstümliche Sentenz aus der Römerzeit bekräftigt die Weisheit, wie das Wort nur überzeugt, das gute Beispiel aber den ganzen Menschen mitreißt. In der Tat wirkte die von Kardinal Angelo Bagnasco erwähnte Szene würdelos; sie ist unglaublich aber leider wahr. Als der Priester Andrea Gallo begraben wurde, kam es bei dieser politisch geprägten Totenmesse zu einigem Aufsehen und Lärm. Da spendete der erwähnte Prälat doch tatsächlich einem allseits bekannten aktiven Transsexuellen und Buddhisten die hl. Kommunion, obwohl dieser Mensch zuvor keine Reue gezeigt hatte. Durch diese Handlung brachte der Kardinal die Gläubigen zur Überzeugung, jedermann dürfe, in welchem inneren Zustand er auch sei, an dieses hl. Sakrament herantreten.

Die falsche Zeugenaussage des Franziskus-Papstes

Sicherlich verfehlte der BergoglioPapst, das rechte Zeugnis für den Glauben abzulegen, als er, wie die Zeitung Il Messaggero am 20. Januar 2014 berichtete darauf hinwies, wie sehr er darunter leide, so wenig gute Freunde zu haben und wie viele Mühe es koste, Papst zu sein. Vielleicht entstand aus der Klage über den Mangel an klarem Zeugnis das oberflächliche Problem von der Einsamkeit des Priesters. Als wir diese Notiz gelesen hatten, fiel uns ein, welche strenge Mahnung Jesus Christus auf die Frage der Jünger gegeben hatte: „…Wahrlich, sag ich euch, es ist niemand, der Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Kinder, oder Äcker um meinet- und des Evangeliums wegen verläßt, der nicht Hundertfältiges dafür erhält, jetzt in dieser Zeit: Häuser, und Brüder, und Schwestern, und Mütter und Kinder, und Äcker, mit Verfolgungen und in der zukünftigen Welt (dafür erhält) das ewige Leben“. So berichtet Markus 10, 29/30. Im Lukasevangelium 14, 26/27 steht das ähnliche Wort des Herrn: „Wenn jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater und Mutter und Weib, und Kinder, und Brüder, und Schwestern, ja auch sogar seine eigene Seele, der kann mein Jünger nicht sein. Und wer sein Kreuz nicht trägt, und mir nachfolget, der kann mein Jünger nicht sein“. (Beide Stellen nach der Allioli-Übersetzung). Wir glauben, daß der Priester das Gefühl des Heimwehs verspüren kann; genau das gleiche Empfinden hat wohl der Auswanderer, wenn er aus verschiedenen Gründen den heimatlichen Ort verläßt, oder der junge Seminarist, wenn er bereit ist, auf die Freuden der Welt zu verzichten und sein Leben dem Herrn zu weihen. Dieses Gefühl gibt dann dem Leben, das er dem Dienste Gottes und der Seelen weiht, den richtigen Eifer und die wahre Begeisterung. Auch der Bergoglio-Papst vermag dieses bittere Gefühl empfinden, sobald er das Gewicht seiner Mission verspürt. Davon sprach zu seiner Zeit auch Dante, als er Hadrian IV. sagen läßt: „Etwas mehr als einen Monat lang verspüre ich, wie schwer die große Würde wiegt, wenn jemand sie vor Schmutz bewahren will; ähnlich leichten Federn, so erscheinen mir die anderen Bürden.“ (Die Göttliche Komödie, Fegfeuer XIX 103/105). Damit will der große italienische Dichter darauf hinweisen, daß im Falle Bergoglio gewisse Ämter dem Papsttum keinen Fortschritt in der Karriere bringen, sondern zusätzliche Belastungen darstellen. Ja, welch große Verpflichtungen! Wir haben es gerne gesehen, daß uns der Papst gesagt hat, welch große Freude das erfüllte Leben im Herrn bereitet; doch es wäre uns lieber gewesen, wenn er davon gesprochen hätte, daß er selbst noch schlimmere Leiden verspüre, weil er feststellen muß, wie die Christen in der Welt unaufhörlich Verfolgungen zu erdulden haben. Wir hätten lieber gesehen, daß seine Botschaft den Katholiken in Indien Erleichterung gebracht und sie gestärkt hätte, denn in diesem großen Land wurden im Jahre 2013 über viertausend Fälle von Mißhandlungen und Gewalttaten an mehr als tausend Frauen, über fünfhundert Kleinkindern und vierhundert Priestern registriert. Über hundert Angriffe auf Kirchen und Orte des christlichen Kultes sind vorgekommen (Die Zeitung Avvenire berichtete davon am 24. Januar 2014). Der Papst hätte keine Zeit vergeudet, um die Herren der hohen Finanz zu begrüßen und sie zu umschmeicheln, als sie in Davos in der Schweiz anläßlich des 44. Treffens des weltweiten ökonomischen Forums (World Economic Forum) zusammengekommen waren. Der Papst wünschte in reichlich utopischer Weise, der Reichtum solle gerecht verteilt werden, damit er nicht so sehr den Regierungen, sondern der gesamten Menschheit nütze (Osservatore Romano, 22. Januar 2014). Einige Leser werden nun einwenden, die Aufgabe des katholischen Papstes bestehe auch darin, für das Leben in der Gesellschaft Anweisungen zu geben. Mit dieser Bemerkung sind wir durchaus einverstanden, aber eine klare Stellungnahme gegen die Verfolgungen liegt uns mehr am Herzen, als die Schmeicheleien gegenüber den in Davos versammelten Machthabern der Finanz. Sie zählen ja ganz klar zu den geldgierigen und Reichtümer gleichsam verschlingenden Interessengruppen der Plutokraten. Was stellt das in Davos versammelte ökonomische Weltforum (WEF) tatsächlich dar? Welche Themen diskutieren dort die reichen Leute? Welche Ziele verfolgen sie? Wer und was bewegt sie? Das WEF wurde von Klaus Schwab gegründet. Er ist auch mit folgenden Vereinigungen verbunden, wie Bilderberg, Trilateral, CFR, Earth Council, B’nai Brith, Fabian Society, Round Table, Pilgrim’s Society und Lucis Trust. Genau wie diese genannten Institutionen bezieht auch das ökonomische Weltforum WEF seine Lebenskraft aus dem Freimaurerkult, denn „es hat die ausgesprochen obskure Mission, die Völker zu unterstützen und in die Lage zu versetzen, die Zukunft so zu gestalten, daß sie sicherer, gerechter und ertragbarer sei“ (Epiphanius – Die Freimaurerei und andere geheime Sekten / Massoneria e sette segrete, Verl. Controcorrente 2008, S. 615). Zu den jährlich in Davos stattfindenden Zusammenkünften kommen alle Vertreter des sogenannten Großen Geschäfts (Big Business), nämlich die Rockefeller, die Rothschild, die Oppenheimer, die Soros, die von Monti gesegnete italienische Bischofskonferenz (CEI) und die Bank Lazard. Diese Leute vertreten das Ideal der gemeinsamen Herrschaft, doch sie machen sich überhaupt keine Sorge um die im Leben auftretenden wirklichen Nöte der Menschen. Falls die moralisch zweifelhaften Aktionen, viel Geld fließen zu lassen und damit endlos dauernde Kampagnen für die Abtreibung, die Euthanasie, den freien Gebrauch der Drogen, die Legalisierung der Sodomie und die Auflösung der Familie zu finanzieren, wirklich katholisch wären, dann würde der Papst etwas Gutes tun, wenn er den in Davos zusammengekommenen Finanzbaronen seine Botschaft verkündet. Wie aber die Kennzeichen offensichtlich und augenfällig verraten, daß diese Leute gegen die katholische Lehre agieren, so klar wäre auch die Position des Heiligen Stuhls, daß er darauf verzichtet, Honig triefende Appelle des Pazifismus auszusenden. Wer in der Botschaft des Papstes vom 17. Januar 2014 den Namen Gottes und Jesu oder die klare katholische Stellungnahme zu den Problemen suchte, mußte enttäuscht sein, denn er findet da nur zwei Hinweise auf die Freude der guten Botschaft / Evangelii Gaudium und der Enzyklika Benedikts XVI. Die Liebe in der Wahrheit / Caritas in veritate und eine kurze nichtssagende Tirade für die Interessen der Armen. Die große Flut von üblichen und förmlichen Sprüchen schwächte den guten Inhalt. Dann wollen wir noch anmerken, der Bergoglio-Papst bei diesem Anlaß „den Teilnehmern des Forums sowie den Familien und den Aktivitäten Gottes Segen gegeben hat“ (Osservatore Romano, zit.), indem er jene frühere Verhaltensweise verleugnete, denn in seiner am 16. März 2013 gewährten ersten Audienz für die Presse hatte man ihn dazu gebracht, daß er ganz bescheiden auftrat und den Segen nur still spendete; er wollte dadurch zu erkennen geben, er respektiere auch die Ungläubigen unter den Journalisten. Wir dagegen wollen die Tatsachen klarstellen. Die Teilnehmer am Davoser Forum sind alles andere als katholisch. Doch wie die geschriebenen und offenkundigen Worte (scriptis et apertis verbis) bezeugen, empfingen sie vom Papst den göttlichen Segen. Durch diese Tatsache sehen wir die Worte des Papstes bestätigt, wie vielseitig und komplex das Leben wirklich ist. Vor allem gilt der Satz, daß „aus Gnade und Sünde das Leben zusammengesetzt ist“. Diese Wahrheit bezweifeln wir nicht, weil wir genau wissen, in welch schlimme Lage die Erbsünde Adams die menschliche Natur gebracht hat. Mit dem falschen Schluß des Papstes aber sind wir nicht einverstanden, denn er behauptet: „Wenn jemand nicht sündigt, ist er kein Mensch“. Wir teilen nicht die Meinung des Papstes, da die richtige Überlegung anders aussieht, nämlich: Die Erbsünde hat die Natur des Menschen verdorben. Wenn Gott dem Menschen nicht hilft, muß er in die Sünde fallen. Tatsächlich bitten wir im „Vater Unser“ (Pater Noster) den Herrn, Er möge uns, wenn wir versucht werden nicht fallen lassen (und führe uns nicht in Versuchung). Wenn jemand nicht dafür Sorge trägt, Gottes Hilfe zu erhalten, dann kann er leicht in die Sünde geraten, weil der menschliche Wille allein nicht ausreicht, wirksamen Widerstand zu leisten. Doch wie der Papst den Syllogismus vorbringt, sagt dieser einfache Schluß, die Sünde sei die notwendige Bedingung für das Menschsein. Dieser Sinngehalt erinnert uns an die vielen von den Gnostikern aufgestellten Theorien, denn die Vertreter dieser Lehre machen aus willentlicher Erfahrung mit dem Bösen die rechte Methode der Reinigung. Zur Information sollen folgende Bewegungen dienen, nämlich der Sabbatismus, Frankismus, Katharismus, die moderne esoterische Strömung von Crowley, Wirth, Doinel und die Brüder des Freien Geistes. Von ihnen erzählt man folgendes: „Nach etlichen Jahren des harten Noviziats erreichen die Neophyten durch sehr strenge Bußübungen und die Praxis der Ataraxia den Zustand der Furchtlosigkeit und damit die erwünschte Einstellung der Seele. Haben sie diesen Punkt erreicht, dann ist ihnen alles erlaubt, weil sie meinen, selbst Gott gegenüber überlegen zu sein. Wenn der Eingeweihte (Adept) das Bewußtsein hat, allmächtig zu sein, dann wird er ein vollkommen amoralisches und verlogenes Wesen. Lügen, Diebstahl, Morde, Inzest, Sodomie und andere Sünden gehören dann zum gewöhnlichen Lebensinhalt. Die Erzieher ermuntern dazu, weil dies angeblich heilige Akte sind.“ (Norman Cohn, “I fanatici dell’apocalisse” / Die Fanatiker der Apokalypse, zitiert aus Rino Cammilleri, I mostri della ragione 2 / Die Ungeheuer der Vernunft 2, Verl. Ares 2005, Seite 131). Wir wollen nicht respektlos sein, aber der Bergoglio-Papst soll vor einigen Priestern zugegeben haben, in dem schon lange vergangenen Jahre 1954, als er in einem übel beleumundeten Lokal von Cordoba als Rausschmeißer tätig war, das Rauschgift Marihuana genommen zu haben (Il Corriere del Mattino, 5. Januar 2014). Diese Tatsache gibt dem erwähnten Schluß die entsprechende Kraft und Bestätigung. Wenn man die Strategie der Massenmedien kennt, so wird diese Bemerkung vielleicht den entscheidenden Ausschlag geben, um den Genuss der sog. leichten Drogen freizugeben.

Radikalismus ja, Fundamentalismus nein

Auf die Frage, ob die Marihuana rauchende Person noch ein Mensch sei oder nicht, lautet die rechte Antwort: Der Nichtraucher hat der Versuchung, das Gesetz zu übertreten widerstanden, der Raucher dagegen brachte nicht die Kraft auf, der nächsten Gelegenheit zur Sünde die Stirne zu bieten. In beiden Fällen bleibt die Person Mensch, doch der Unterschied liegt in dem durch die verschiedenen Umstände bewirkten ethischen Verhalten. Wir kehren zum Thema der päpstlichen Aussage zurück und wollen begreifen, in wieweit das geeignete System, Zeugnis zu geben darin besteht, „alles zu verlassen, in der Absicht, dem Herrn zu folgen. Ja… die radikale Haltung des Evangeliums ist nicht nur die Sache der Ordensleute, sondern wird von allen Christen verlangt“. Was Jesus selbst von seinen Nachfolgern fordert, das betont der hl. Vater, denn nichts Neues gibt es unter der Sonne. Was stark klingt und doch vollkommen mitteilbar bleibt, ist der Hinweis auf den vom Evangelium geforderten Radikalismus, wie das Streben beschaffen sein soll, welches Gott von allen Menschen, auch von den Laien verlangt. Wenn nun aber die Worte ihre Bedeutung unverändert bewahren, so zeigt der Ausdruck Radikalismus das Verhalten und Betragen an, kurz und gut die Lebensweise (modus vivendi), welche wirksam wird, wenn die Person tiefgehenden, d.h. radikalen, Regeln folgt. Diese Normen bilden die felsenfeste Grundlage und gleichsam die Wurzel jedes guten Systems der Kultur, der Politik und der Religion. Der Bergoglio-Papst weist auf den vom Evangelium geforderten Radikalismus hin, indem er sagt, daß niemand dem Herrn richtig zu folgen vermag, wenn er nicht dessen Bedingungen akzeptiert. Wir sind aber doch überrascht, wenn wir einige Zeilen weiter unten lesen, der Papst halte es für notwendig, den Fundamentalismus zu vermeiden und die Zukunft zu erhellen; weiterhin meint der Papst: „Folgende Forderung ist für mich wirklich wichtig, daß man durch eigene Erfahrung die Realität erkennt und sich Zeit nimmt, in die Außenbezirke zu gehen, um den konkreten Lebensraum der armen Leute kennen zu lernen. Wenn dies unterbleibt, dann kommt die Person in Gefahr, abstrakt denkender Ideologe und Fundamentalist zu werden; doch das ist nicht gesund“. Unterdessen muß man auch zeigen, daß die Wirklichkeit und die Lebensweise ausschließlich die Außenbezirke betreffen, da auch im Zentrum der Stadt Menschen leben, die leiden, Freude empfinden, sündigen und beten. Doch wir müssen der Wahrheit die Ehre geben. Vor allem in den vergangenen Jahrhunderten sind die Missionare der Kirche sowohl zu den Mittelpunkten als auch den Randgebieten der Welt gegangen – der Papst liebt es, diesen Umstand regelmäßig zu wiederholen – dabei mußten sie viele Risiken und Gefahren auf sich nehmen und bestätigten somit, daß die frohe Botschaft radikal ist. Sie legten das Fundament, damit die Katholiken anständig und christlich leben können. Der Papst lehnt den katholischen Fundamentalismus ab und bezeichnet ihn klar und deutlich als eine ideologische Abstraktion. Freilich unterstützt er dadurch besonders die seltsame, ökumenische Aufmerksamkeit gegenüber der kompromisslosen Haltung der Moslem. Bei der islamischen Art des Fundamentalismus anerkennt er die Kraft und die Fülle der göttlichen Gnade. Doch wir hegen den Verdacht, daß auf der anderen Seite die Verurteilung des katholischen Fundamentalismus (der entschiedenen Einstellung der Katholiken) etwas verbirgt, daß nämlich der hl. Vater das Zeugnis für die Tradition endgültig ablehnt. Jeder Katholik, der die Überlieferung hochhält ist dabei betroffen.

Ein anderes Beispiel für die Forderung, „Zeugnis“ abzulegen

Als wir mit diesem zweiten Versuch der Aufklärung zu Ende gekommen waren, hatten wir die Gelegenheit, Berichte über den Erfolg zu lesen, den der Besuche des französischen Präsidenten François Hollande im Vatikan hatte. Der Inhalt betrifft genau das Thema „Zeugnis abzulegen“. Das rechte Zeugnis zu geben, trug Jesus seinen Jüngern auf, denn dies ist die unerläßliche Bedingung dafür, daß der Katholik sagen darf, Nachfolger Christi zu sein. Wenn wir uns jedoch an die laizistische und die katholische Presse halten, so sehen wir, wie in diesem Punkt die Informationen übereinstimmen, geben sie doch unmögliche Anweisungen, da sie entweder doppeldeutig oder falsch sind. Wir können tatsächlich lesen, wie klassisch und gut das in überaus freundlicher Atmosphäre abgehaltene Treffen verlaufen ist, denn der vatikanische Rundfunk berichtete am 24. Januar 2014: „Im Verlauf des herzlichen Gesprächs zeigte sich, daß der Beitrag der Religion zum Allgemeinwohl gut ist. Obwohl 110000 französische Katholiken einen offenen Brief an den Papst unterzeichnet und damit – was die Meinungen der französischen Regierung hinsichtlich der Bioethik betrifft – ihr tiefgehendes Unbehagen ausgedrückt hatten, verlief der Aufenthalt des französischen Präsidenten im Vatikan trotzdem in freundlicher Atmosphäre. Der Austausch von Geschenken und die zum Papst Franziskus gesprochenen Abschiedsworte von Hollande (à bientôt/ bis bald) brachten sicherlich den Nutzen, die geringfügige Spannung des Vorabends abzubauen“. (Il Giornale, 25. Januar 2014, Seite 12). Wir müssen leider feststellen, wie das seit sechzig Jahren verwendete Instrument des Dialogs selbst in weltlich eingestellten Nationen wie Frankreich nichts erreicht hat, was die Sinnesänderung angeht, denn noch heute stehen die Katholiken vor den traurigen Realitäten der Abtreibung, der Homosexualität und des gottlosen Atheismus. Doch in hohen Bereichen geht die optimistische Stimmung weiter, Sympathie und Herzlichkeit halten an; man scherzt und macht das scheinheilige Spiel, beide Seiten besäßen für einander das rechte Verständnis. Dabei gleitet die katholische Welt offensichtlich zu diesseitigen und laizistischen Auffassungen ab. Was hat denn jener von über hundert tausend Katholiken unterzeichnete Brief aus Frankreich erreicht? Überhaupt nichts! Doch was wollt ihr denn? Mag die Lehre und Moral auch zum Teufel gehen, so bleibe doch der Dialog bestehen! Tatsächlich ist das Ergebnis des „zwischen dem Franziskus-Papst und Hollande stattgefundenen Dialogs das Bestreben, die Verbindlichkeit zwischen Staat und Kirche den Dialog aufrechtzuerhalten“ (so berichtet der Vatikanische Rundfunk). Ohne Umschweife und scheinheilige Verbeugungen wollen wir den Sachverhalt klar sagen, daß schlimmer Mißerfolg, ja sogar feiges Nachgeben vorliegt. Beide Seiten begnügten sich damit, Geschenke auszutauschen und freundlich auf Wiedersehen zu sagen, um die (für notwendig gehaltene) kameradschaftliche Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Ist der französische Präsident Hollande nicht für die Abtreibung? Hat er nicht die Unterstützung der Freimaurerei? So fragt die französische Zeitschrift Le Point – Le nouvel Observateur. Zählt Hollande in seiner Regierung nicht sechs freimaurerische Minister? Ist der französische Präsident nicht der Urheber des neuen Gesetzes über die sogenannten Ehen der Homosexuellen? Ist er nicht selbst Polygamist? Doch was wollt ihr damit sagen! Der französische Präsident Hollande hat seinen Namensvetter, den Papst Franziskus getroffen. Obwohl moralische Abgründe die Kirche Christi von der heutigen politischen Welt trennen, entsteht aus dem Dialog der positive Beitrag der Religion zum „allgemeinen Wohl“. Dies dürfte ein klarer Widerspruch sein. Ihr werdet euch wohl jetzt die Frage stellen, was der FranziskusPapst in dieser Lage tun soll. Ganz einfach: Klipp und klar herausstellen, daß diese abartigen Gesetze zu verurteilen sind, selbst wenn das freigeistige Frankreich sie erlassen hat. Der französische Staat ist ja im Begriff, solche gesetzlichen Bestimmungen zu verabschieden und damit Gottes heiligen Willen zu mißachten. Bereits seit dem Jahre 1962 gilt in der Kirche das Wort und die Anordnung, den Irrtum nicht zu verurteilen, sondern das Heilmittel der Barmherzigkeit zu benutzen. Der entschlossene und resolute Bischof von Mailand, der heilige Ambrosius widersetzte sich dem Kaiser Theodosius, weil dieser in der griechischen Stadt Thessaloniki ein Blutbad angerichtet hatte. Der kirchliche Prälat verbot dem Herrscher die Kirchengebäude zu betreten und forderte von ihm, er solle öffentlich Buße tun. Der hl. Papst Gregor VII. ließ den verstockten Kaiser Heinrich IV. drei Tage lang im tiefen Schnee unter freiem Himmel warten. Der heilige Pius X. benutzte keine verschleiernden Erklärungen falscher Diplomatie, um den schlechten Baum des Modernismus zu kennzeichnen und auszuhauen, sondern streckte ihn mit gewaltigen Worten nieder, ohne Ausdrücke wie „wenn“ und „aber“ zu benutzen. Dies waren Beispiele für die Kraft der katholischen Kirche und klare Töne, um nach der Art des Evangeliums zu sprechen: „Ja, ja, nein, nein soll eure Rede sein“ (vgl. die Bergpredigt Christi Mt. 5,37). Wenn ich sage, damals seien andere Zeiten gewesen, so trifft das zu, doch auch die Päpste waren anders.

L. P

Advertisements

Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
Dieser Beitrag wurde unter Empfehlung kath. Medien, Katholischer Glaube abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s