Diplomatie und Weltverbesserung ersetzen die Mission

Nachdem bereits in letzter Zeit von Seiten der kirchlichen Hierarchie zu vernehmen war, dass die Juden von der Mission ausgenommen seien (siehe Post Kardinal Koch: „Christen haben Missionsauftrag alle Muslime zu bekehren, aber nicht die Juden“ vom 24. Mai 2016), folgen nun weitere Gruppen, für die der (offenbar unbesonnene?) Auftrag des Herrn nicht gelten soll. Auf der Titelseite der Tagespost vom 5. Oktober 2016 verkündet der Apostolische Präfekt von Aserbaidschan, Pater Vladimir Fekete, wer überzeugter Muslim sei, solle dies auch bleiben, denn: „Wir taufen nur Leute, die nie in eine Moschee gehen“.

Aha.

Warum allerdings nun die Moslems – entgegen der Aussage von Kardinal Koch – ebenfalls auszunehmen sind, wird nicht weiter erläutert.

Der Heilige Vater selbst klärt dieses Wirrnis nicht etwa auf, sondern komplettiert es, indem er erklärt, der Kirche in Georgien gehe es „nicht darum, zahlenmäßig zu wachsen“. Sie betreibe keinen Proselytismus. Mithin, so ist dies wohl zu verstehen, sind nun ebenso die Ostkirchen ausgenommen.

Der Papst äußerte im September 2013 in einem Interview in einer antiklerikalen Zeitung:

Proselytismus ist eine Riesendummheit, er hat gar keinen Sinn. Man muss sich kennenlernen, sich zuhören und das Wissen um die Welt um uns vermehren… Die Welt ist durchzogen von Straßen, die uns voneinander entfernen oder die uns näher zusammenbringen, aber das Entscheidende ist, dass sie uns zum Guten hinführen… Jeder von uns hat seine Sicht des Guten und auch des Bösen. Wir müssen ihn dazu anregen, sich auf das zuzubewegen, was er als das Gute erkannt hat… Das würde schon genügen, um die Welt zu verbessern… Die Liebe zum Anderen, die unser Herr gepredigt hat, ist kein Proselytismus, sondern Liebe. Liebe zum Nächsten, ein Sauerteig, der auch dem Gemeinwohl dient.“

Papst Franziskus: Interview mit Eugenio Scalfari, La Repubblica, 1. Oktober 2013.[3]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Proselytismus

Sollte man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen: Jeder von uns hat seine Sicht des Guten und auch des Bösen. Wir müssen ihn dazu anregen, sich auf das zuzubewegen, was er als das Gute erkannt hat… Das würde schon genügen, um die Welt zu verbessern

Die Überschrift des Artikels in der Tagespost, der den Papst zur Kirche in Georgien zitierte, lautet übrigens „Die Kirche als das Haus des Trostes“.

Ob wirklich noch alle bei letztem sind?

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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