Mein Tagesposting: Mammon oder Amen (die-tagespost.de)

Mein Tagesposting: Mammon oder Amen

Von Prälat Wilhelm Imkamp

Wirtschaftskrisen, Wirtschaftskriminalität und Korruption boomen, verursacht von einem Personal, also von Männern und Frauen, welche der amerikanische Schriftsteller Tom Wolfe schon vor fast 30 Jahren in seinem Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“ (The Bonfire of the Vanities, 1987) treffend beschrieben hat: das Personal einer „Mammon“-Religion, das zum Scheitern verurteilt ist. Das Psychogramm der moralischen „Nieten in Nadelstreifen“ ist von Gier, Größenwahn und sehr limitierter Intelligenz geprägt.

Mammon hat wohl den gleichen Ursprung wie ein Wort, das wir alle fast jeden Tag benutzen, und zwar im Gebet: „Amen“. „Mammon“ bezeichnet das Hinterlegte, das Aufgehäufte und „Amen“ die Bekräftigung. Und es scheint so, das in den Plausibilitäten dieser Welt die Hohenpriester der Mammon-Religion klüger sind als die Kinder des Lichtes (Lk 16, 8). Die sind aber ebenfalls zur Klugheit verpflichtet. Glaube dispensiert nicht von Situationsanalyse, Selbsterkenntnis und konsequentem Handeln, denn gerade im Licht des Glaubens müsste man doch klarer sehen, es geht doch gar nicht mehr um das luftige Penthouse auf Mammon-Türmen, um bejubelte Zeitgeistlofts, sondern um die ewigen Wohnungen, anders gesagt, um das entscheidende Amen unseres Leben.

Gefordert ist nicht die riskante Spekulation, das Jonglieren mit modischen (Finanz)-Produkten und das kurzfristige Denken in Quartalszahlen, sondern Zuverlässigkeit, Eindeutigkeit, klare Linie, klare Kante, klare Entscheidungen und das langfristig, nämlich ein Leben lang. Zuverlässigkeit, Klarheit und langfristiges Denken sind natürlich langweilig im Vergleich zum Tanz auf dem Vulkan entfesselter Gier. Darüber hinaus machen sie nicht beliebt und bringen auch keinen kurzfristigen Gewinn. Aber die Derivate des Zeitgeistes verbrennen im Fegefeuer der Eitelkeiten. Zuverlässigkeit, Klarheit und Konsequenz führen langfristig zum doppelten Amen unseres Lebens.

Das wird auch im kirchlichen Milieu nicht immer und überall so gesehen. Auch da gibt es oft Symptome der „Mammoneritis“. Manche Fortbildungs-, Akademie- und Gremienveranstaltungen im kirchlichen Raum wirken geradezu wie eine Illustration des berühmten Satzes vom Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher (Mario Adorf) gleich in der ersten Folge von „Kir Royal“: „Ich sch…. dich so was von zu mit meinem Geld…“: Da werden in üppig bebilderten Bildungsprogrammen zwischen „zeitsensiblen Gottesdienstformen“ die „Spuren für eine zukunftsfähige Kirche“ mit der Konzilstheologie als „Ressource pastoralen Wandels“, die Seelsorge als Biografiearbeit in den immer gewaltfreien, gendergerechten, kooperativen Pastoralwerkstätten gesucht. Hochmammonisierte Gestalt-, Familien-, Sozial- und was auch immer -Therapeuten bilden ebenfalls hochmammonisierte Fachkräfte – natürlich in deren Arbeitszeit – aus.

Der Mammon macht’s möglich, es ist der Tanz um das Goldene Kalb und dieses Goldene Kalb trägt zusätzlich noch die Farben schwarz-rot. Mit weniger Mammon wird zwar nicht alles automatisch besser, aber durch den Mammon steigt die Versuchung eben zu Mammon-Veranstaltungen in den luftigen Lofts des Zeitgeistes. „Nieten in Nadelstreifen“ gibt es nicht nur in der Wirtschaft. Mammon schüttet Amen zu, immer öfter!

Es spricht für die intellektuelle Redlichkeit von Prälat Imkamp, dass er die „Mammon“-Tendenzen nicht nur in den Kreisen der Yuppies und Spitzenbanker sieht, denen das lesenswerte Buch „Fegefeuer der Eitelkeiten“ ein Denkmal setzt. Als selbsternannte „Master of the Universe“ schwelgen sie dort im luziferischen Selbstgefühl des eigenen Übermenschentums, andere schmelzen notwendigerweise zu Ameisen, die stupide und langweilig ihre Tage zubringen. Dasselbe Lebensgefühl wird interessanter Weise der heutigen Generation verkauft: „Sei du selbst“ (und mache dann ironischerweise das, was alle tun), trage die Nonkonformistenuniform und fühle dich trotzdem als Rebell. Geriere dich als einsamer Wolf und Kämpfer für das Gute, damit du auf andere als Spießer, Rassist oder Sonderling herabschauen kannst – aber suche die Herdenwärme im Individualistenkollektiv.

Aber Prälat Imkamp geht weiter (alles andere hätte mich auch gewundert…) und richtet den Blick unbequemer Weise auf die behaglich gewärmte Nische der kirchlichen Fortbildungseinrichtungen und Gremien in Deutschland. Betet doch bereits die Kirche offen Gott Mammon an (glauben darf man alles, wenig oder gar nix, wenn es aber an die Kirchensteuerzahlung geht, ist buchstäblich „der Teufel los“…), im Bildungs- und Gremienbereich sind Gebäude und Finanzmittel kein Problem, weltliche Berater und Sonstwastherapeuten ziehen die willigen Aspiranten mit dem süßen Gift der weltlichen Akzeptanz sachte in die seichte Niederungen des Zeitgeistes. Was übrig bleibt, hat mit Kirche oder Glaube wenig zu tun, ist oft nur ein lauer Aufguß von Sozialarbeit.

Dass Prälat Inkamp hier mutig „der Wahrheit eine Gasse“ geschlagen hat, rechne ich ihm hoch an, denn seine messerscharfen Analysen dürften ihn im kirchlichen Funktionärscorps sicherlich nicht beliebt gemacht haben…

Macht nix – weiter so!

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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