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Fest Mariä Namen

12. September, 2016

Maria – der Name, den das Jesuskindlein zuerst ausgesprochen hat, der Name, der nach Jesus all unsere Hoffnung und Heil umschließt. Die Heiligen finden im „dulce nomen“ all jene Gaben und Vorzüge, welche sie im Namen Jesu erkennen: Licht, Kraft, innere Freude, Schutz. Der fromme Christ wünscht daher nichts sehnlicher, als vor seinem Sterben noch einmal die hl. Namen auszusprechen, um die heiligen Personen dann bald im Himmel zu schauen.

Sel. Ildefons Kardinal Schuster

„Wir bitten Dich, allmächtiger Gott: gib, daß Deine Gläubigen, die sich ob des Namens und Schutzes der heiligsten Jungfrau Maria freuen, auf Erden durch ihre mütterliche Fürsprache von allen Übeln befreit werden und im Himmel zu den ewigen Freuden gelangen dürfen. Durch unsern Herrn Jesus Christus …“

(Kirchengebet am Fest Mariä Namen)

Der Name Maria geht über das aramäische Marjam auf hebräisch Mirjam zurück. Diesen Namen konnten in alttestamentlicher Zeit sowohl Frauen wie die Schwester des hl. Moses tragen, als auch Männer , während er um die Zeitenwende nur noch als Frauenname verbreitet gewesen zu sein scheint. Bei uns ist Maria als Mädchenname gebräuchlich, doch auch für Jungen möglich.

Die Bedeutung des Namens Maria ist ungewiß. Seit dem frühen Mittelalter ist die Deutung als Stern des Meeres bekannt. – Eine Verehrung des Namens Mariae kann darauf verweisen, daß dieser nicht von den leiblichen Eltern ausgewählt, sondern dem hl. Joachim von Gott durch einen Engel mitgeteilt wurde:

Ein Fest des Gedenkens des Tages, an dem Maria wie später ihr Sohn einige Tage nach der Geburt den Namen erhielt, findet sich erstmals 1513 im neukastilischen Bistum Cuenca. Von dort breitete sich das Fest aus, bis es der sel. Innozenz XI. (1676 – 1689) zum Festtag für die ganze Kirche erhob: Am 14. Sonntag nach Pfingsten des Jahres 1683, zugleich als Sonntag in der Oktav nach Mariae Geburt das Fest des Namens Mariae, wurde das Abendland durch die siegreiche Schlacht am Kahlenberge bei Wien von schwerster Bedrohung befreit. Das von Innozenz XI. der Kirche vorgeschriebene Fest Mariae Namen bzw. Unsere Liebe Frau vom Siege wurde so lange am Sonntag innerhalb der Oktav von Mariae Geburt begangen, bis St. Pius X. es auf den 12. September verlegte.

1683 war das mohammedanische Türkenheer nach Wien vorgestoßen. Bei jeder Niederlage seiner Truppen fastete Kaiser Leopold I. (1658 – 1705) bei Wasser und Brot. Mitte Juli kamen die Türken vor der Hauptstadt an. – Nach dem Fall Wiens sollte das übrige Deutschland erobert und auch der Kirchenstaat besetzt werden. Den Petersdom wollte man in einen Pferdestall umwandeln.

Zweihunderttausend Infanteristen und Kavalleristen bildeten das Heer der Osmanen, das dreihundert Geschütze mitführte und durch Tataren sowie Walachen noch verstärkt wurde. Den Oberbefehl führte Großwesir Kara Mustafa (1676 – 1683), der bereits 1677 bis 1681 einen Feldzug gegen Rußland unternommen hatte. Die vereinte Streitmacht erreichte Wien am 14. Juli. Ihr gegenüber standen unter dem Oberbefehl des Generals Ernst Rüdiger Graf von Starhemberg elftausend Mann vom kaiserlichen Heer mit dreihundertundsiebzig Geschützen, dazu zwanzig Kompanien Bürgerschaft sowie drei Kompanien Studenten, insgesamt etwa zwanzigtausend Mann.

Kaiser Leopold I. hatte eigentlich Priester werden wollen, doch weil sein als Thronfolger ausersehener Bruder Ferdinand starb, trug er nun die Krone des Reiches. Leopold pilgerte angesichts der Gefahr nach Passau, zum Gnadenbild Marias, der Helferin der Christen. Außerdem rief er seinen Freund, den seligen Kapuzinerpater Marco d’Aviano herbei. Dieser war weithin bekannt war wegen der Wunder, die durch ihn geschahen.

Auch der sel. Innozenz XI. beteiligte sich am Kampf um Wien. Er versorgte Österreich mit Geld zur Kriegsführung, rief die gesamte Christenheit zu einem vierzigstündigen Gebet für die Abwendung der Gefahr auf und setzte sich diplomatisch für die Eintracht unter den gekrönten Häuptern des Abendlandes ein. Der dem Kaiserreich überaus mißgünstig gesonnene, französische König, Ludwig XIV. (1643 – 1715), konnte sich immerhin zur Neutralität entschließen.

Auf Wunsch Kaiser Leopolds I. ernannte Innozenz den seligen Pater Marco zum päpstlichen Legaten. Am 14. August hielt dieser sich noch in seinem Kloster zu Padua auf. Dann eilte er nach Norden. Am 1. September erreichte er Linz. Zwei Tage lang sprach er mit dem Kaiser. Er riet ihm, nicht persönlich an der Schlacht zur Befreiung Wiens teilzunehmen. Daraufhin pilgerte Leopold mit seiner Gemahlin und begleitet vom gläubigen Volk weiterhin täglich den Maria-Hilf-Berg zu Passau hinauf, um die Fürbitte der Muttergottes zu erflehen.

Der Pater schloß sich dem Entsatzheer an, das sich nordwestlich von Wien sammelte. Es bestand aus den Truppen des polnischen Königs Johann III. Sobieski (1674 – 1696) und denen mehrerer deutscher Fürsten: Neben Polen gehörten vor allem Österreicher, Bayern, Kursachsen und Soldaten aus dem Südwesten Deutschlands dem Heer an. – Der Feldherr Johann Sobieski hatte zehn Jahre zuvor mit fünfzigtausend Mann die bereits nach Warschau vorstoßenden Türken, achtzigtausend Mann stark, am 11. November 1673 bei Chotim in Moldawien geschlagen und damit den polnischen Staat gerettet. Nach seinem Sieg über die mohammedanischen Türken kürte man Johann Sobieski zum König, da Michael I. (1669 – 1673) verstorben war.

Während eines letztlich erfolglosen Feldzuges gegen Polen ließ Kara Mustafa Christen aus einer eroberten Stadt bei lebendigem Leib schinden und übersandte die ausgestopften Häute dem Sultan als Trophäen. – 1678 nahm er Verbindungen mit dem ungarischen Adel auf, der sich aus nationalistischen Motiven gegen den Kaiser erhob, nachdem ihm Unterstützung aus Frankreich zugesagt worden war. 1682 wurde Emmerich Thököly (gest. 1705 im türkischen Izmit, dem früheren Nikomedia), der protestantische Anführer des Aufstandes, von den Türken als ungarischer König anerkannt.

Jan Sobieski sah zu Beginn des Jahres 1683 die drohende Gefahr deutlich vorher. Zwar stand er dem Kaiser nicht freundlich gegenüber, doch war ihm klar, welche Gefahr dem gesamten Abendland einschließlich Polens drohte: Die Mohammedaner wollten von Wien über Köln nach Danzig marschieren. Selbst in dieser Situation lehnte es Brandenburgs „Großer Kurfürst“ Friedrich Wilhelm (1640 – 1688) ebenso wie der französische König ab, dem Kaiser militärischen Beistand zu leisten. Jan Sobieski aber beschwor den Sejm, das Adelsparlament, eine Allianz mit Österreich einzugehen. Dazu durfte es gemäß dem damals geltenden, polnischen Recht keine einzige Gegenstimme geben. Jan Sobieski scheiterte in einer ersten Abstimmung am 27. Januar. Er pilgerte nach Tschenstochau und weihte sein Schwert der Muttergottes. Danach kam es zu einer zweiten Abstimmung am 30. März. Nun wurde das Bündnis mit Österreich tatsächlich ohne Gegenstimme gebilligt. Am Tage der Himmelfahrt Mariens brach der polnische König von Krakau aus auf, um dem Kaiser zu Hilfe zu eilen.

Die osmanischen Truppen zogen siegreich durch Ungarn und vereinigten sich am 24. Juni bei Stuhlweißenburg mit dem Tatarenheer. Mitte Juli begann die Belagerung Wiens. Heldenhaft wurde das Stift Klosterneuburg verteidigt, um die Mohammedaner aufzuhalten und Zeit zu gewinnen. Im Verlaufe des Augusts aber fielen bereits die äußeren Verteidigungsanlagen der Haupttadt. Die Vororte wurden erobert, und mohammedanische Sklavenhändler kauften die Gefangenen auf. Im Laufe der ersten Septembertage verschärfte sich die Lage im belagerten Wien noch durch Hunger und ausbrechende Krankheiten. Achtundvierzigtausend Mann von den türkischen Hilfstruppen setzten sich bereits vom Hauptheer ab, wohl um die Umgegend auszuplündern. Am 11. September gelang es den Osmanen, einen Teil der Stadtmauer zu sprengen. Der Sturmangriff stand unmittelbar bevor. Gleichzeitig ging den Verteidigern die Munition aus.

Das christliche Entsatzheer wurde dem Oberbefehl König Jan Sobieskis unterstellt. Es bestand aus etwa achtzigtausend Mann und führte einhundertzweiundfünzig Geschütze mit. Es näherte sich Wien von Westen, da im Osten der Stadt türkische Hilfstruppen operierten. Am 11. September erreichte das christliche Heer den Wienerwald. Es hatte auf das rechte Donauufer übersetzen können, nachdem Herzog Karl von Lothringen (1675 – 1690) die mit den Mohammedanern verbündeten Ungarn unter Imre Thököly beim Bisamberg nordöstlich von Wien geschlagen hatte. – Herzog Karl hatte sich mit den von ihm befehligten kaiserlichen Truppen noch vor der Schließung des Belagerungsringes aus Wien auf das linke Donauufer zurückgezogen.

Am Morgen des 12. September gab der sel. Marco d’Aviano „Maria Hilf“ als Losung für die Entscheidungsschlacht am Kahlenberge aus. Wegen der mitmarschierenden Protestanten aus Kursachsen lautete der Schlachtruf jedoch „Jesus, Maria!“ P. Marco d’Aviano zelebrierte auf dem Kahlenberg vor Wien in der niedergebrannten Kirche des Kamaldulenserklosters die hl. Messe, bevor die Truppen zum Kampf ausrücken. Jan Sobieski ministrierte. – Im Heer der Christen diente auch der junge Prinz Eugen von Savoyen, der in der Schlacht am Kahlenberge seine sog. Feuertaufe erhielt.

Etwa dreißigtausend Mann der Türken setzten die Belagerung Wiens fort, die übrigen Soldaten der Mohammedaner stellten sich dem Entsatzheer entgegen. Am Morgen des 12. September begann die Schlacht.

Von den etwa dreizehntausend polnischen Reitern gehörten dreitausenddreihundert zur Hussaria. Dabei handelte es sich um eine auf schnelle Attacken spezialisierte Truppe, die mit ihren langen Lanzen die gegenerischen Reihen aufbrachen. Die Hussaria eröffnete die Schlacht mit einem Angriff auf dem rechten Flügel und im Zentrum. Sie griff in einer zweiten Welle erneut an, und dabei folgte ihr die gesamte Kavallerie des Entsatzheeres. Nach hartem Ringen wurde Kara Mustafas Lager auf dem rechten Flügel erobert, während die kaiserliche sowie die übrige deutsche Infanterie auf dem linken Flügel vorrückte.

Gegen achtzehn Uhr befand sich das Heer der Mohammedaner in Auflösung. – Auf seiten der Sieger waren nur etwa dreitausend Soldaten gefallen.

Die Mohammedaner berichteten, sie seien geflohen, als sie in der Schlacht einen riesigen Mönch mit einem hocherhobenen Kreuz erblickten. Dieser schien immer größer zu werden, bis er an den Himmel reichte. Da seien sie in Panik geraten und hätten sich zur Flucht gewandt. – Der selige Pater Marco war allerdings von kleiner Gestalt, er ging gebückt und hinkte.

Anläßlich des Sieges schrieb der sel. Innozenz XI. noch im Jahr 1683 der gesamten Kirche das Fest Mariae Namen vor. In Süddeutschland und Österreich entstanden nach dem Sieg zahlreiche Mariahilf-Kirchen und -Bruderschaften.

P. Marco aber forderte zu einem unverzüglichen, weiteren Vorgehen gegen die Türken auf. So marschierte das kaiserliche Heer am 18. September ab nach Ungarn. Der Papst befahl Pater Marco, die Truppen zu begleiten. – 1684 wurden bereits mehrere ungarische Städte zurückerobert; 1686 konnte Buda nach einhundertfünfundvierzig Jahren von der osmanischen Herrschaft befreit werden. 1687 siegten die Kaiserlichen bei Mohács, im Jahr darauf wurde Belgrad zurückerobert. – Pater Marco beklagte sich beim Kaiser, daß das Heer danach nicht weiterziehen mochte, um die Donauländer insgesamt zu befreien. Man hörte nicht auf die Mahnung des Seligen. Die Gunst der Stunde verstrich.

Großwesir Kara Mustafa wurde auf Befehl Sultan Mehmeds IV. (1648 – 1687) am 25. Dezember 1683 in Belgrad erdrosselt und sein Kopf dem Sultan auf einem Silbertablett überbracht. Doch dies bewahrte den mohammedanischen Herrscher in Konstantinopel nicht vor der Absetzung. Nach der Rückeroberung Ungarns durch den Kaiser wurde der Mehmed IV. 1687 entthront (gest. 1693).

Unter Mustafa II. (1695 – 1703) erfolgte die türkische Gegenoffensive. Sein Heer rückte auf Belgrad vor. Papst Innozenz XII. (1691 – 1700) unterstützte den Kaiser nicht. In dem Dorf Pötsch, ungarisch Pocs, weinte ein Marienbild einen Monat lang. Es wanderte durch die Pfarreien des Landes und wurde schließlich im Wiener Stephansdom aufgestellt. Die Not nahm immer weiter zu, bis Prinz Eugen 1697 bei Zenta endlich über die Osmanen siegte. Zwei Jahre darauf wurde der Friede von Karlowitz zwischen dem Kaiser und der Hohen Pforte geschlossen, in dem die Türken auf Ungarn und Siebenbürgen verzichteten. Die Phase der militärischen Expansion der Osmanen in Europa war endgültig vorüber. Am 13. August desselben Jahres starb der selige Marco d’Aviano. – Mustafa II. aber wurde 1703 von seiner eigenen Janitscharentruppe gestürzt und vergiftet.

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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