Segeln unter falscher Flagge: „Vater Unser – Das Gebet der ehrenden Kreisung“ von Patricia Rank ( 5 )

Mit dem Kapitel Mediation nähert man sich dem Kernbereich des Buches, alles vorher Geschriebene sollte den Leser wohl unmerklich auf das Folgende vorbereiten. Die Definition von Meditation als ein Stillhalten, bei dem es um einen ruhigen Geist und ein „beschwichtigtes Ich“ gehe, ist allgemein gängig. Sie beginne, wo „wir aufhören zu tun, wo wir aufhören zu handeln, wo wir aufhören, den Impulsen unseres Egos zu folgen“ (a.a.O., Seite 68). Auch Pfarrer Dr. Dyckhoff, Verfechter des urchristlichen Ruhegebetes, beschreibt die „Aufgabe der Aktivitäten“ in seinem Buch (Dyckhoff, Peter, Das Ruhegebet einüben, Herder-Verlag) als für das Ruhegebet zwingend erforderlich. Eine interessante und aufschlussreiche Übereinstimmung zwischen den beiden Meditationsentwürfen ist das von beiden Autoren gebrauchte Bild des Kreises. Als Mitte des Kreises bezeichnet die Autorin den Punkt, auch bei Veränderungen in Raum oder Zeit bleibe die Gegenwart die Mitte zwischen Zukunft und Vergangenheit (a.a.O., Seite 69).

„Der Kreis hat noch immer den Punkt als Mitte und der Mensch bleibt die Mitte zwischen Himmel und Erde. Was sich verändert hat, ist eine veränderte Wahrnehmung der Mitte. Die Mitte ist immer noch die Gegenwart, sie wird durch die Veränderung nun mit einem Ort oder mit Zeit wahrgenommen.“

Pfarrer Dr. Dyckhoff wiederum stellt bezeichnender Weise die „gesamte von Gott geschaffene Schöpfung“ als Kreis dar, wobei der „Kreis und alles, was ihn von der Peripherie bis zur Mitte erfüllt, mehr oder weniger in Bewegung, also im Werden und Vergehen ist„, (Dyckhoff, a.a.O., Seite 107). Der Kreis dreht sich um eine Achse, die selbst nicht in Bewegung ist, diese Mitte, nämlich Gott, tragen wir geheimnisvoll verborgen in unserer Seele. Daher werden wir auch immer hin zur Mitte, zu Gott gezogen, wenn wir unser selbst geschaffenes Bild von uns, das Ego, ausblenden. Auch die Autorin stimmt darin überein, dass es eine Mitte gibt, „die unberührt bleibt von allen Veränderungen in Raum und Zeit“ (ebenda), bezeichnet diese aber neutral als „Konstante„. Daher definiert sie nun auf Seite 70 Meditation auch als „eine Ausrichtung zum Menschsein“ und kommt bei all dem – in ihrem Buch über das Vater-Unser-Gebet – ohne Bezug auf den personalen Gott des Neuen Testamentes aus, ihr Objekt der Vergötzung ist der Mensch. Da nützen auch im Folgenden einige aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus den Evangelien nichts, denen sich allgemeine Hinweise auf Gehirnstrom-Messungen bei Meditierenden anschließen. Kern des Buches ist nicht das In-Verbindung-treten mit dem personalen Gott, sondern:

„Was dieses Buch näherbringen möchte, ist ein Bewusstwerden durch Beobachtung, Achtsamkeit und Anerkennung der Natur des Willens als Lebensenergie, als Emotionen und als Geisteskraft“.

Natürlich ein durchaus legitimer Ansatz, wobei ich mich nur – nach wie vor – frage, was dies mit dem im Titel angeführten Vater-Unser-Gebet zu tun haben mag? Und was hat es bloß mit der „ehrenden Kreisung“ auf sich? Im weiteren ist wieder die Chinesische Energielehre das Thema, als sog. „drei Schätze“ werden Sperma, Atem und Glaube vorgestellt, wenig verwunderlich beendet es die Autorin mit Worten des Tao Te Ching, der Gründungsschrift des Taoismus und nicht mit Worten aus dem Evangelium.

Solche findet man auch nicht zu Beginn des Kapitels Herz, hier wird, natürlich neben esoterischen Lehren der Chinesischen Energielehre, auf das Märchen „Dornröschen“ Bezug genommen und esoterisch interpretiert. Der Prolog des Johannesevangeliums („Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort„, Joh. 1,1) wird manipulativ verkürzt (a.a.O., Seite 76), um den Gottesbezug gezielt auszusparen:

„Am Anfang war das Wort und das Wort ist Fleisch geworden“.

Dieser Satz steht unverbunden inmitten der Chinesischen Energielehre und suggeriert dem unbedarften Leser, dass diese wohl eine Art erläuternder Kommentar zur Bibel darstellt. Auch der Begriff „ein Herz und eine Seele“ sein (Apg 4, 32) wird ohne Quellenbenennung lediglich als Accessoire benutzt, um eine „Einheit der Sprache“ aufzuzeigen. Ziel des Buches ist es, mit mißbräuchlichem Bezug auf das Vater-Unser-Gebet heidnisches Gedankengut zu verbreiten:

„Die Chinesische Energielehre spricht davon, dass Kultivierung der Weg des Herzens sei und im Herzen der eingeborene Geist beherbergt sei. Diesen Kultivierungsweg beschreibe ich in der ehrend kreisenden Meditation als Bewegung des Bewusstseins durch die Hauptkanäle“.

Womit wir nun auch die Frage der sog. „ehrenden Kreisung“ geklärt hätten…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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