Segeln unter falscher Flagge: „Vater Unser – Das Gebet der ehrenden Kreisung“ von Patricia Rank ( 2 )

Im Kapitel „Eine Frage“ beschäftigt sich die Autorin mit dem Gegensatz Ich – Ego und gibt einige interessante Denkanstöße zur „Schöpfung der eigenen Welt“ durch das Ich-Bewusstsein und dessen Verleugnung und Abgrenzung durch das Ego, welches lediglich eine Parallelwelt erschafft (S. 14ff.).

Auch die objektive, d.h. von jedem nachvollziehbare Veränderung der uns umgebenden Umwelt (lies: der Realität) wird angesprochen:

„Wir lieben und darum sind wir verbunden, oder wir lassen los, weil wir es nicht mehr nähren und bedienen. Wir nähren unsere Schöpfung nur so lange, wie wir sie brauchen, um unsere Erfahrungen zu sammeln.“

Bedenkenswert ist auch der (allerdings weder originelle noch von ihr stammende) Ansatz, wonach oftmals die (eigene missglückte) Vergangenheit nicht verabschiedet, sondern eher entsorgt, d.h. entweder im Innern vergraben und vergessen oder nach außen projiziert und als Feindbild bekämpft wird. Allerdings vergessen weder Geist noch Körper diese negativen Erfahrungen: der Geist versucht den verdrängten Anteilen in Gedankenmustern und inneren Dialogen zu entkommen, der Körper bewahrt jede Erfahrung in Körperspannung, -haltung und Atemmustern. Leonard Orr (https://de.wikipedia.org/wiki/Rebirthing), Begründer der Atemtechnik des „Verbundenen Atmens“, vermutet dazu, dass sich negative, schmerzhafte oder unangenehme Erfahrungen ansammeln, zu negativen Gefühlen und Gedanken werden, die wiederum unsere natürliche Atemfähigkeit schädigen (dazu: Orr/Halbig, Der verbundene Atem, EA 2011, Seite 13). Auch hier darf wieder meine beherzte Aufmunterung, derartige Werke aufmerksam und kritisch zu lesen, nicht fehlen: Zwar wende ich selbst die Atemtechnik der 20 verbundenen Atemzüge mit Erfolg an, man sollte aber dennoch die verdeckten Botschaften über den „tantrischen Weg“ des Rebirthing samt „Reinigungsritualen der astralen Ebene“ sorgfältig reflektieren, um nicht unvermutet in esoterisch-okkulte Praktiken abzugleiten.

Ein interessantes (und unbedenkliches) Experiment ist es aber allemal, einmal gleichsam als externer Beobachter bei sich selbst zu registrieren, wie man selbst auf bestimmte negativ belegte Orte und Menschen reagiert, etwa durch gepressten, kurzen Atem, Verspannung oder gekrümmter Haltung. Manches Unwohlsein oder unwillkürliche Abneigung mag man dann vielleicht besser erklären können. Atmet man verhalten, zieht man die Bauchmuskeln an – also hält man umgangssprachlich „schon mal die Luft an“, in der Hoffnung, dass alles glatt geht?

Allerdings kommt die Autorin dann wieder schnell den Gedanken des Zen-Buddhismus nach Vereinigung mit dem all-einen nahe, wenn sie schreibt:

„Mit der Fähigkeit des Erkennens von Gut und Böse und dem damit verbundenen Eintritt in die Polarität mussten Adam und Eva das Paradies verlassen. Aus dem Eins-sein wurde Zweiheit und mit dem Erkennen der Polarität begann die Trennung, die existentielle Isolation: Das Oben-und-Unten, Innen-und-Außen, Gut-und-Böse, Ich-und-Du. Die Trennung von Ein und demselben.“

Diese Gedanken wurden übrigens deutlicher – und ohne religiöse Bilder wie Adam und Eva – bei Dahlke/Neumann, Die wunderbare Heilkraft des Atmens, Tb-EA 2009, herausgearbeitet. Er sieht beispielsweise den Eintritt in die Polarität durch den ersten Atemzug nach Verlassen der Geborgenheit des Mutterleibs (S. 48). Allerdings ist auch hier – wie überall – aufmerksame Wachheit am Platze, denn auch dieser Autor führt seine Leser unvermittelt auf esoterische Pfade, wenn er sich u.a. über die sog. „Chakren“ auslässt. Diese (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Chakra) haben einen eindeutig religiösen Bezug und sind nicht im Gesundheits-/Wellnessbereich wie beispielsweise Atemtechniken angesiedelt…

Auch folgendes Zitat auf Seite 20 scheint mir des Nachdenkens wert:

„Viele Menschen wagen es nur, in erworbenen und erlernten Denkmustern zu denken. Entsprechend diesen Mustern entwickeln sie ihre Verhaltens- und Kommunikationsmuster. Ebenso drücken sich diese Muster in der Körperhaltung, in der Körperspannung und als Atemmuster aus.“

In der Tat scheinen mir beispielsweise derzeit viele Menschen die epochalen Umwälzungen in ihrer unmittelbaren Umgebung (etwa Kirche und Gesellschaft) überhaupt nicht wahrnehmen oder zumindest nicht kommunizieren zu können, da ihr persönlicher Bezugsrahmen der (von ihnen erlebten) „Wirklichkeit“ dies nicht hergibt. Daher redefinieren Sie so unreflektiert wie unverdrossen solange die Tatsachen, bis sie wieder in den eigenen Bezugsrahmen passen. Ob CDU, Kanzler, Papst: überall angeblich keine oder nur marginale Änderungen. Solange man sich dann kritiklos täglich um 21:45 Uhr die Welt von Marietta Slomka und Claus Kleber erklären läßt, bleibt alles in bester Ordnung…

Interessant auch die Spekulation über einen Zusammenhang zwischen dem Verharren in tradierten Denkmustern und Kommunikationsmustern verbunden mit Atemmustern (+ Körperhaltung, -Spannung). Wer beispielsweise möglichst nicht auffallen will, wird sich „klein machen“, also in sich zusammensinken. Ebenso, wer nur über wenig Körperspannung verfügt. „Hockt“ man aber derart zusammengekrümmt bzw. vorgebeugt, wird man – bedingt durch die Einengung des Bauch- und Lungenraums – über weniger Atemvolumen verfügen, mithin flach atmen. Der Atem reicht dann zwar überspitzt formuliert, „um nicht vom Stuhl zu kippen“, ein befreiendes Aufatmen ist aber nicht möglich. Wenn das knappe Atemvolumen auch noch zum Sprechen reichen soll (verbale Kommunikation), wird es vermutlich in der Regel bei leisen, kurzen Sätzen bleiben, um unangenehme Kurzatmigkeit zu vermeiden. Hierzu mag ein Blick auf ein grobes Raster verschiedener Atemmuster bei Dahlke/Neumann (a.a.O., Seite 178 ff.) interessant sein.

Das Kapitel bringt also manchen wertvollen Denkanstoß, verquirlt dabei aber oftmals Fragmente aus Verhaltenstherapie (u.a. Schematherapie), Zen-Buddhismus und Küchen-Philosophie, wobei – zumindest für mich – der Bezug zum christlichen Glauben im allgemeinen und zum im Titel zitierten Vater-Unser-Gebet im Besonderen fehlt.

Im anschließenden Kapitel „Schicksal“ geht es pathetisch weiter mit der „männlichen Energie“ und der „weiblichen Energie„, Textprobe: „Im Feuer des Herzens wird unser Schicksal geschmiedet„. Meine Herren, da hätte aber die Reichskulturkammer unseligen Andenkens ihre Freude gehabt… Philosophisch angehaucht wird Schopenhauer zitiert, die „Wandlungskraft„, welche frei fließen können müsse, wird angesprochen und als Quintessenz wird auf Seite 25 präsentiert:

„Solange er (d.h. der Mensch) im Glauben und im Denken ist, ist er im Sein.(…) Willst Du die Welt erfahren, mußt du den Himmel verlassen“.

Nun, eine derart undefinierbare Ausdrucksweise ist natürlich Geschmackssache…

Dann wird munter weiter mit den Begriffen „Vater„, „Sohn“ und „Willen Gottes“ operiert, wobei man wieder sehr achtsam sein sollte, was denn bitte konkret damit gemeint wird, damit man beim beschriebenen „Absinken“ und „Aufsteigen“ der Energie, dem „schicksalhaften Kreislauf von Wolken und Regen, in dem wir alle eingebunden sind und in dem wir bleiben, bis wir unsere Identität vergessen“ (soll bitteschön konkret heißen?) (S. 28) oder dem „kleinen Kreislauf des Leidens„, den wir verlassen können, um in den „großen Kreislauf des Lebens“ zurückzukehren, nicht gleichsam „wie nebenbei“ wieder eine Prise Esoterik untergejubelt bekommt… 😉

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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