Der Himmel war völlig mein…

Bei der Lektüre des Buches „Der Berg der sieben Stufen“ des Trappistenmönchs Thomas Merton fiel mir dessen klar formulierte Annahme des ungeteilten Christus auf. Als ihm 1939 nach der Erwachsenentaufe die Erstkommunion gespendet wurde, beschreibt er: „Ich kniete allein in der Kommunionbank. Der Himmel war völlig mein – der Himmel, an dem man teil hat, ohne dass er geteilt oder verkleinert wird. (…) Im Tempel Gottes, der ich nun war, wurde Gott, der in mir wohnte – wurde das ewige, reine Opfer dargebracht: das Opfer Gottes, da Er sich selbst darbrachte, und ich wurde mitgeopfert in Gott und eingeschlossen in seine Menschwerdung.“ Hier kommt mir Pfarrer Milch in den Sinn, dessen Worte hier vom derzeit wohl leider inaktiven Blog Androsch stammen(https://androsch.wordpress.com/2012/04/22/1526/#respond).

Auch er betonte die radikale, weil von der Wurzel her bestimmte Absage an das heute vorherrschende kollektive Gewimmel der „Gemeinden“, des Wir-alle-miteinander-zusammen-gemeinsam. Persönlich im wahrsten Sinne befreiend war für mich die klare Aussage des ermordeten Priesters von St. Athanasius (Hattersheim bei Frankfurt) und Gründer der actio spes unica: das Heilsangebot Christi richtet sich ausschließlich an den einzelnen Menschen. „Er ist derjenige, wie Pfarrer Milch zu sagen pflegte, der den Gewittern des göttlichen Erbarmens auf freier Pläne ausgeliefert ist, und er ist es, der einmal vor dem Richterstuhl Gottes treten muss. Da gibt es kein Rechts und kein Links, kein Vorne und kein Hinten, keine Gruppe und kein Kollektiv“ (Schüler, Wolfgang „Pfarrer Hans Milch – Eine große Stimme des katholischen Glaubens“, Bd. 1 2005, Seite 95).

Mit seinen wie in Stein gemeißelten Worten ausgedrückt: „Und die ganze christliche Botschaft besteht im Grunde in der Mitteilung: Jawohl, Gott will! Er interessiert sich flammend für dich, ja Er ist das unendliche, allmächtige, allwissende Interesse, das flammende Feuer eines einzigen, gewaltigen, unteilbaren, absoluten Interesses für dich, ungeteilt für dich. Das ist die Herrlichkeit, der du und ich uns verschworen haben, um deren Willen wir hier ein Bekenntnis ablegen und uns stärken lassen wollen. Du, du und ich, der jeweils Einzelne, die wir [verstecken] uns nicht in dem verführerischen Wörtchen „wir“ verstecken, sondern wir geben uns mit unserer Sehnsucht dem gewölbten Himmel des göttlichen Angebotes schutzlos preis. Du, der Einzelne, du versteckst dich nicht in einer Masse, du schaust nicht nach rechts und du schaust nicht nach links, du schaust nur in die Richtung, woher die Antwort kommt, die dein Glück ausmacht und den Sinn deines Lebens und dich in den Sinn und der [die] Macht deines Daseins heraushebt und sichert gegenüber allen Zufällen und Wechselfällen, die dieses innerweltliche irdische Dasein zur Verfügung hat. Es gibt daher für dich und für mich kein feiges Verstecken ins Wir, sondern [wir sind] je einzeln dem weit gespannten Himmel der Ewigkeit preisgegeben.

Christus ist die Antwort! Er ruft den Einzelnen aus den Verflechtungen des Nichts heraus. Er macht dich zur Ausnahme, Er weckt und schreckt dich heraus aus dem Gewimmel nichtiger Zufälligkeiten. Er, in Seiner Freiheit will deine Freiheit wecken, und in der Vereinigung Seiner freien Hingabe und deiner freien Bejahung und Hingabe, da ergibt sich die erhabene Notwendigkeit, die den Namen trägt: Katholische Kirche. Sie ereignet sich überall dort, wo der einzelne das Jawort der großen Frau nachspricht und in dieses ungeteilte Jawort einsteigt gegenüber dem Angebot: „Ich will nichts von dir, Ich will dich. Und du sollst nicht dies oder jenes von Mir erwarten, sondern Mich selber. Es soll sich eine absolute Einheit, ein Ineinander ereignen. Von dir in Mir. Und in Mir gehst du in deinem äußersten Tiefenbewußtsein auf, in Wonne grenzenloser Macht. Für alle Ewigkeit bist du bestimmt und für alle Ewigkeit bist du gedacht und von Mir gewollt.“ Und dazu bist du hierhergekommen, um dieses Bekenntnis abzulegen und diesen Entschluß zu bekräftigen und neu zu fassen – hier, wo Christus gegenwärtig ist, das fleischgewordene Wort des Vaters, in den der Vater Sich hineinspricht in die Welt.“ (aus: „Rest oder Sekte“, Rede in München, 11.11.1984)

androsch

Die Herausrufung des Einzelnen
Christus meint DICH.
Er ist in dir, er will nichts von dir, sondern er will DICH.
Und er will nicht „auch dich“, sondern er will ungeteilt nur DICH, den je Einzelnen.
Mit diesen Worten, die aus mehreren Zitaten Pfarrer Milchs zusammengesetzt sind, läßt sich derjenige Aspekt zusammenfassen, der praktisch alle seine Werke durchdringt: Christus ist für den je Einzelnen, für DICH, am Kreuz gestorben. Diese unbedingte Liebe fordert die Entscheidung, sich aus den Verflechtungen der Welt herausrufen zu lassen und sich Christus hinzugeben – zu tun, was Er will.

Diese Entscheidung kann nur vom je Einzelnen getroffen werden. Für viele ist es aber unbequem, dieses Angebot des Gottmenschen anzunehmen – sie ziehen eine Unverbindlichkeit vor, die ihnen erlaubt, den Schein eines grundsätzlichen Eigenrechts aufrecht zu erhalten, und verstecken sich deshalb vor dieser Entscheidung gerne in einem Kollektiv.

„Das versuche ich schon den kleinen Kindern beizubringen: ‚Für…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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