Eine Frage der Ehre: Die 17 aufrechten CDU-Meuterer (Manfred Haferburg, achgut.com)

Eine Frage der Ehre: Die 17 aufrechten CDU-Meuterer

Manfred Haferburg / 12.05.2016

Reinhard Mey hat vor Jahren einen geradezu visionären Text zum Lied „Das Narrenschiff“ geschrieben:

…Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken
Die Mannschaft, lauter meineidige Halunken
Der Funker zu feig um SOS zu funken
Klabautermann führt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus und Kurs aufs Riff!

Ich weiß nicht, ob sich Reinhard Mey von mir so ungefragt vereinnahmen lassen will. Aber ich verstehe ihn eben so: Ja, „auf der Brücke der Deutschland tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel“.

Doch nun grollt dumpfe Rebellion aus dem Maschinenraum. 17 Meuterer von der CDU/CSU machen ihrem Groll in einem Manifest an Angela Merkel Luft. Verfassungsklage hin, Brandbrief her, bisher hat Kapitän Merkel den Kurs nicht geändert. Die Namen des Häufleins der Aufrechten sind für mich eine Ehrenliste. Ein paar Mutige aus der über dreihundert Abgeordneten starken CDU/CSU Fraktion, die nicht verschwiegen werden soll, Namen, die wir uns vielleicht sogar merken müssen:

  • Veronika Bellmann, MdB
  • Wolfgang Bosbach, MdB
  • Klaus Brähmig, MdB
  • Thomas Dörflinger, MdB
  • Mark Hauptmann, MdB
  • Stefan Heck, MdB
  • Silke Launert, MdB
  • Philipp Lengsfeld, MdB
  • Tim Ostermann, MdB
  • Sylvia Pantel, MdB
  • Johannes Selle, MdB
  • Patrick Sensburg, MdB
  • Christian von Stetten, MdB
  • Erika Steinbach, MdB
  • Barbara Woltmann, MdB
  • Hans-Peter Uhl, MdB
  • Christean Wagner, Staatsminister a.D.

Die Meuterer auf der „Deutschland“ wollen nicht mehr und nicht weniger, dass die Kapitänin ihren Links-Kurs geändert. Ihre Forderungen lauten:

  • Analyse der Ursachen für den Wählerverlust der CDU/CSU
  • Rückkehr zur christlichen Mitte, weg vom Linkskurs der CDU
  • Schutz Deutschlands vor den Djihadisten
  • Rückkehr zur Familienpolitik und weg von der Gender Ideologie
  • Stopp der Über-Regulierung des Arbeitsmarktes, weg von weiteren Steuererhöhungen und Umverteilung
  • In der Flüchtlingspolitik darf die Verantwortung für das Gemeinwohl in unserem Staat nicht auf der Strecke bleiben, Begrenzung der Aufnahme.

Populär ist anders. Schon höre ich die Medien hecheln: Populistisch! Die Welt beschreibt den Vorgang um das Manifest der 17 auf eine Weise, der ein Schlaglicht darauf wirft, wie weit der Merkellismus die Demokratie in Deutschland schon ausgehöhlt hat: „Dass Abgeordnete politische Positionspapiere verfassen, ist eigentlich Alltag im Regierungsviertel. Doch das sechsseitige Manifest, das 15 Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU an diesem Morgen vorstellen, hat Mut erfordert. … „Jeder, der hier sitzt, weiß, dass bei ihm Karriere-Ende ist, …“, sagt Silke Launert, Richterin, Mitglied im Parteivorstand der bayerischen Unionsschwester. … In der CDU scheint Merkelkritik riskant: „Du hast aber Mut“, höre sie regelmäßig bewundernd nach Fraktionssitzungen, bei denen sie „abweichend von der offiziellen Meinung“ gesprochen habe, von Kollegen, die dort nicht den Mund aufgemacht hätten, erzählt Veronika Bellmann, CDU-Abgeordnete aus Sachsen„.

„Karriereende“ von Bundestagsabgeordneten wegen abweichender Meinung von der Ansicht der großen Vorsitzenden und ihrer Ober-Vasallen? Wie wäre es denn mit Verbannung nach Meckpomm? Oder mit Arbeit als Fabrikheizer? Nach dem Grundgesetz sind die Abgeordneten ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet. Aber das Gewissen kann die begehrten Posten und die Politikerexistenz nicht sichern. Abgeordnete können sich nämlich nicht von ihrem Gewissen zur Wiederwahl aufstellen lassen, dazu brauchen sie ihre Fraktion. Und die nutzt ihre Machtposition erfahrungsgemäß weidlich aus. DDR 2.0 und unser neuer Freund Erdogan lassen grüßen.

Umso ehrenwerter ist der Mut des Häufleins aufrechter CDU/CSU Abgeordneter zu bewerten – ich schlage sie für den Stauffenberg-Orden vor. Und umso besorgniserregender ist die geringe Zahl der Meuterer auf der „Deutschland“ für die in hunderten Jahren mühsam errungene deutsche Demokratie zu verstehen.

Meuterei im Maschinenraum der „Deutschland“. Endlich, möchte man rufen. Ja, sie kommen spät. Die Tatsachen sind längst geschaffen. Und ja, es sind nur ein paar. Sie können nicht obsiegen. Ihretwegen wird die „Deutschland“ nicht ihren Kurs ändern und weiterhin mit voller Fahrt aufs Riff zusteuern. Schon sehe ich die gigantischen Brocken dicht unter der Wasser-Oberfläche lauern: Energiewende, Griechenrettung, Flüchtlingspolitik. Und der größte Brocken, an dem sich unter der Oberfläche die Brandung bildet, heißt „Demokratieverlust“.

http://www.achgut.com/artikel/die_deutschland_in_voller_fahrt_aufs_riff

Als wirklich passendes Lied von Reinhard Mey empfehle ich „Bevor ich mit den Wölfen heule“…

😉

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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Eine Antwort zu Eine Frage der Ehre: Die 17 aufrechten CDU-Meuterer (Manfred Haferburg, achgut.com)

  1. Gast auf Erden schreibt:

    Was passiert, wenn man den „Linkskurs“ verlässt und dem Kurs der Rechtspopulisten folgt, kann man in Österreich ganz deutlich sehen. Es wird das Original gewählt.
    Wenn also die CDU wieder nach revhts schwenkt, findet sie sich irgendwo unterhalb der AfD wieder.
    Das wird eine ganz unlustige Veranstaltung für die CDU Meuterer. Wie man es richtig macht, hat der alte und neue -linksgrünversiffte- um mal aufrechte Rechtspopulisten zu zitieren, Ministerpräsident von Baden-Württemberg demonstriert.
    Unter dessen Aufsicht darf die CDU jetzt mitregieren. Weil die Roten auch versagt haben.

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