Im Blickpunkt: Große Gesten sind nicht alles (www.die-tagespost.de)

Im Blickpunkt: Große Gesten sind nicht alles

Eine Stunde, in Begleitung von Kardinal Walter Kasper, hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford Strohm, am Donnerstagabend mit Papst Franziskus gesprochen. Das ist viel. Und wie die meisten seiner Besucher hat der argentinische Papst auch den bayerischen Landesbischof in größter Zufriedenheit entlassen: Gemeinsamkeiten in der Beurteilung der Flüchtlingsfragen, Gemeinsamkeit in den Bemühungen, den brüderlichen Weg der Ökumene weiterzugehen. Auch dass der Papst das Reformationsgedenken 2017 nicht mit einem Besuch in Deutschland verbindet, sondern mit dem Lutherischen Weltbund im schwedischen Lund begeht, ist für den EKD-Ratsvorsitzenden kein Stein des Anstoßes mehr. Auf dem Feld der Ökumene hat Franziskus bisher keinen seiner Gesprächspartner enttäuscht. Das gilt für den russischen Patriarchen Kyrill, das gilt für die Evangelikalen, das gilt natürlich für Bartholomaios aus Konstantinopel und auch für den orthodoxen Erzbischof von Athen. Auch als der Papst die deutschen Lutheraner in Rom besuchte, war bei denen die Freude groß. Bei manchen katholischen Beobachtern eher nicht, denn mit seiner Bemerkung zu Paaren in einer gemischt-konfessionellen Ehe: „Redet miteinander, redet mit Christus“, erweckte Franziskus damals den Eindruck, als wolle er in der Frage des gemeinsamen Kommunionempfangs einen Gewissensspielraum eröffnen, den die kirchliche Norm so nicht vorsieht.

Während Papst Franziskus im ökumenischen Dialog überhaupt nicht aneckt, ist das im „innerkatholischen“ Dialog inzwischen anders. Die Stimmung ist nicht gut in Rom, auch nicht in der Kurie. Zu viel Verunsicherung, zu viel Unklarheit über die wirklichen Absichten des Papstes kommt als Echo aus der Weltkirche bei den Kurialen an. Das gilt für protokollarische Fragen, wenn Franziskus in Santa Marta seine Politik der offenen Tür betreibt. Aber vor allem geht es um Inhalte. Seit „Amoris laetitia“ hängt der Segen schief. Dass der Papst die Eucharistie auch als Viatikum sieht, hat er öfters angedeutet. Aber auch für Paare in irregulären Beziehungen? So kann man das nachsynodale Schreiben interpretieren. Die Kirche kennt die Kommunion als Viatikum – etwa für Sterbende. Aber das ist geregelt. Die Kommunion für Wiederverheiratete im Einzelfall ist das nicht. Der Verweis auf das „Forum internum“ genügt da nicht. Der einzelne Seelsorger im Beichtstuhl will tun, was die Kirche tut. Franziskus ist groß, wenn es um christliche Gesten geht. Wenn es dann aber um den konkreten Einzelfall geht, braucht es lehramtliche Noten. Sprich: Klarheit. Sonst bricht Chaos aus.

http://www.die-tagespost.de/politik/Im-Blickpunkt-Grosse-Gesten-sind-nicht-alles;art315,168929

Guido Horst, in der Redaktion der Tagespost bislang der „Franziskusversteher“, hat deutlich die Stirn gerunzelt. Sollte langsam so etwas wie Realismus in die Redakteursstuben einziehen…?

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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