Osterliturgie im neuen und im überlieferten Ritus (1/2)

In der gestrigen Gründonnerstagsliturgie der Ortspfarrei zogen mit Pfarrer und Meßdienern die Frauen, Männer und Kinder ein, denen später die Füße gewaschen wurden. Die Mitglieder der „informellen Hierarchie“ kirchlicher Räteherrschaft (hier: Verwaltungs- und Pfarrgemeinderat) schauten dabei selbstgefällig in die Runde, sichtbar von ihrer eigenen Wichtigkeit überzeugt wie Popstars.

[Nebenbei: Prüfen denn diejenigen, denen die vollständige Akzeptanz aller Konzilstexte durch die Priesterbruderschaft St. Pius X. denn gar so sehr am Herzen liegt, hier auch die Vereinbarkeit mit dem Kirchenrecht….? Frauen werden in dieser Pfarrei seit Jahr und Tag die Füße gewaschen, erlaubt ist es aber erst seit Januar… Kommunionhelfer sind entgegen den Vorschriften im Einsatz, wenn der Pfarrer auch gut alleine zurecht käme. Zirkusartige Karawanen beim Friedensgruß. Wen interessiert sich denn hier bitte für die Einhaltung kirchenrechtlicher Normen?]

Mir geht es hierbei nicht um persönliche Eitelkeiten einzelner, etwa der blondierten Pfarrgemeinderatsvorsitzenden vorgerückten Alters, die meinte, als Lektorin am Ambo eine schwarze Lederjacke (Biker-Imitat) tragen zu müssen. Auch nicht, dass diese in der Regel nur dann in der Kirche zu sehen ist, wenn sie Lektorin ist (an Feiertagen zumeist) oder sie sich samt ihrer Geschlechtsgenossinnen unheimlich wichtig nimmt, wenn sie unüberhörbar zum Altarraum stöckelt. Von derart menschlich-allzu menschlichem ist niemand frei. Demgegenüber nehmen sich die Gottesdienstbesucherinnen in St. Athanasius (Hattersheim bei Frankfurt a.M.) allerdings schon sehr zurück, wollen gerade nicht auffallen. Sehr viele tragen deswegen einen Andachtsschleier, wohl zum einen, um nicht Gegenstand starrenden männlichen Interesses zu werden [gerade die attraktiven Frauen aller Altersgruppen scheinen Schleier zu bevorzugen…] zum anderen, um darunter ihre Ruhe zur privaten Gottesverehrung zu haben.

Und gerade diese scheint mir der förmlich mit Händen greifbare Unterschied zwischen den beiden Riten zu sein: Die intensive, spirituelle Teilnahme des einzelnen Gottesdienstbesuchers. Im überlieferten Ritus ist sie in der Regel gegeben, sei es durch innerliche Betrachtung, Rosenkranz oder das Mitverfolgen der Messe per Schott oder Volksmissale. Im reformierten Ritus geriet demgegenüber beispielsweise die Fußwaschung zum mit der Messe unverbundenen Spektakel, bei dem der Pfarrer für die Gemeinde nicht sichtbar vorn vor sich hin werkelte. Da er so als Entertainer im üblichen Animationsprogramm ausfiel, war die Gemeinde gleichsam auf sich selbst gestellt und fing prompt aus Langeweile an, miteinander zu schwätzten oder träge vor sich hin zu stieren. Dies kann man auch oft beobachten, wenn eine Säuglingstaufe in die Liturgie eingebaut wurde. Plötzlich fühlen sich die meisten unbehaglich, da „vom Geschehen“ irgendwie ausgeschlossen. Ohne ihre feststehenden Pseudodialoge und dem Herdentrieb beim Knien und sitzen wirken viele der doch so mündigen, modernen Katholiken hilflos wie die Kinder ohne Mama. Denn anders als im überlieferten Ritus sind die Gottesdienstbesucher in der neuen Messe komplett auf den Priester als Alleinunterhalter fixiert – fällt er als solcher aus, sind sie natürlich sich jäh allein überlassen. Dann schauen viele plötzlich irritiert umher und verhalten sich deutlich unsicher. Die Zeit mit persönlichen Bitten oder Gebeten zu Gott zu überbrücken, scheint dabei den wenigsten in den Sinn zu kommen. Auch dies bei Lichte besehen konsequent, da im neuen Ritus die Messe primär Gemeindefeier ist, die Gemeinde mithin sich als Versammlung quasi selbst feiert. Der liebe Gott ist da dann halt höchstens noch „irgendwie dabei“…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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