Tagespost macht sich die Welt, widewide wie sie ihr gefällt…

Neues von der „Tagespost“ (Nr. 19, 16. Februar 2016, http://www.die-tagespost.de/Leitartikel-Bruecken-statt-Konfrontation;art456,167182). In seinem Leitartikel „Brücken statt Konfrontation“ erklärt Franziskusversteher Guido Horst diesmal dem irritierten katholischen Leservolk die neuesten Kapriolen des Heiligen Vaters. Zuerst zitiert Herr Horst den Papst zur Begegnung mit dem Patriarchen von Moskau samt gemeinsam unterzeichneter Erklärung: „Es wird viele Interpretationen geben… Aber sie war nicht politisch und auch nicht soziologisch. Es war eine pastorale Erklärung, auch dort, wo sie von der Säkularisierung und den biogenetischen Manipulationen spricht. Es ist eine pastorale Erklärung zweier Bischöfe, die sich wie Brüder begegnet sind. Ich war glücklich…“. Das es „viele Interpretationen“ gibt, scheint mir überhaupt das Signum dieses Pontifikats zu sein. Der rhetorische Kniff, die Erklärung sei „nicht politisch und auch nicht soziologisch“, sondern „pastoral“, ist allerdings schon lange vorher, nämlich seit den Tagen des 2. Vaticanums, sattsam bekannt und macht mißtrauisch. Das Konzil war ja angeblich auch nur „pastoral“ und nicht „dogmatisch“ – zumindest solange es galt, seine Brisanz zu verschleiern. Mittlerweile gilt das „Pastoralkonzil“ den Radikalprogressisten als eine Art Vergangenheit und Zukunft prägendes Superkonzil. „Pastoral“ erscheint mir seitdem als Codewort, um Sachverhalte in einer Art und Weise zu behandeln, die sich beispielsweise aus dogmatischer Sicht verbietet. Wenn die Rede ist von einer „pastorale(n) Erklärung zweier Bischöfe, die sich wie Brüder begegnet sind“, verstärkt dies meinen Argwohn noch. Der Stellvertreter Christi kann doch „eigentlich“ einen schismatischen Bischof nur brüderlich zurechtweisen? „Uneigentlich“ geben aber beide, zeitgemäß ausgedrückt „auf Augenhöhe“, eine gemeinsame Erklärung ab.

Wie geht nun die Tagespost mit diesem Verhalten um? Dazu Herr Horst: „Tatsächlich: Angesichts des Leidens vieler Christen im Orient und in Nordafrika, angesichts der Gewalt in Syrien und im Irak, angesichts des angeblich religiös begründeten Terrorismus und der Flüchtlingskatastrophe – also angesichts des dramatischen Zustands der Welt von heute – haben sich zwei Kirchenführer der Christenheit entschlossen, die Lasten der Vergangenheit, theologische Meinungsverschiedenheiten und die Spannungen zwischen Orthodoxen und Griechisch-Katholischen beiseite zu lassen und gemeinsam ein Zeichen für das in Gefahr stehende Ganze zu setzen. Aus ihrer pastoralen Verantwortung für die Menschen heraus“. Dazu fällt mir nur noch ein: „Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt…“ Das Problem Papst/schismatischer Bischof wird mit der Formulierung zwei Kirchenführer der Christenheit „elegant“ umschifft. Sind denn beide gleichrangig? Nein. Hat denn die Christenheit überhaupt zwei Anführer? Auch nicht.

Die Verneblung geht munter weiter: die Trennung vom päpstlichen Stuhl wird als „Last der Vergangenheit“ klassifiziert und entsorgt (lies: abgeschlossener Vorgang, erledigt, ab ins Archiv), der Abfall von der wahren Kirche zur bloßen „theologischen Meinungsverschiedenheit“herunter gestuft. Anscheinend alles halb so schlimm. Denn wir erfahren: Beide handeln (scheinbar gleichberechtigt) aus „ihrer pastoralen Verantwortung für die Menschen“, daher wollen sie „gemeinsam ein Zeichen für das in Gefahr stehende Ganze“ setzen. Aha. Was „das Ganze“ ist, wird nicht gesagt, aber der Papst scheint da der Hilfe von Schismatikern zu bedürfen. Außerdem lernen wir, dass offenbar „pastorale Gründe“ über Rechtsnormen oder ähnlichem Gedöns stehen. Hauptsache, seine Heiligkeit kann weiterhin, wie gewohnt mit dem Zeitgeist im Rücken, auf der Oberfläche der Probleme ein bißchen herumsurfen…

Und jetzt wird Herr Horst sogar „mutig“ und weist die schismatischen Russen „kritisch“ daraufhin, dass sie ihren Propagangacoup schon längst hätten haben können: „Man wird darauf hinweisen dürfen, dass die katholische Seite, der lateinische Papst, schon früher dazu bereit gewesen wäre. Aber durch die russisch-orthodoxe Hierarchie scheint ein Ruck gegangen zu sein. Die Not war jetzt größer als der Stolz, immer nur auf den eigenen Positionen zu beharren“. Das beruhigt mich aber ungeheuer, dass Papst Franziskus und seine Vorgänger schon lange bereit waren, Schismen zu übersehen und Kirchenrecht beiseite zu lassen. Die Anderen hätten halt früher fragen sollen, wir hätten schon längst kapituliert…

Guido Horst, unser päpstlicher Pressesprecher der Herzen, widmet sich nun pflichtgemäß kritischen Fragen, die man „natürlich in diesen Tagen und sicherlich auch noch in Zukunft hört und liest“. Vermutlich von diesen berüchtigten militantrechtskatholischextremkonservativen Blogs! „Was das denn für ein Treffen war, das der kubanische Präsident wohl mit dem Segen Wladimir Putins eingefädelt hat. Ob der Vatikan denn jetzt auf der Seite der Kontrahenten des Westen stehe? Und viele in der Ukraine werden nicht glücklich sein mit der gemeinsamen Erklärung von Franziskus und Kyrill. Der „Uniatiismus“, dem die griechisch-katholische Kirche ihre Entstehung verdankt, wird als heutiger Weg zur Einheit abgelehnt, die Treue dieser Kirche zum Papst bis hin zum Martyrium in der Stalin-Zeit aber nicht mit einem Wort erwähnt – genauso wenig wie die russische Aggression auf der Krim“. In der Tat, zumindest an die unierten Kirchen habe ich auch gedacht.. Aber auch hier bringt uns Herr Horst weiter: „Aber genau diesen politischen Interpretationen hat Franziskus auf dem Flug nach Mexiko-Stadt eine Absage erteilt. Die ökumenische Bilanz seines gerade einmal dreijährigen Pontifikats ist beachtlich. Er hat eine Brücke zu den Evangelikalen geschlagen, die im (!) Vatikan Tagungen zu Ehe und Familie mitveranstalten können. Er steht im guten Gespräch mit den Lutheranern. Und hat jetzt einen vielleicht noch wichtigeren persönlichen Draht zur Spitze der russischen Orthodoxie. Abgesehen davon, dass die vatikanische Diplomatie deswegen auch für den Westen noch wichtiger geworden ist, ist die Botschaft die: Wenn Katholiken und Orthodoxe über jahrhundertealte Gräben Brücken schlagen können, dann können das andere auch. Wenn Papst und Patriarch tausend Jahre Konkurrenz beenden, um großen Herausforderungen zu begegnen, ist das vorbildhaft.“

Ruhig durchatmen, dann nochmals langsam lesen, was im Leitartikel einer katholischen(!) Tageszeitung zu lesen ist: Zum einen gibt es keine politischen Auswirkungen, wenn dies der Papst so festlegt. Zwei mal drei macht vier, widdewiddewitt? Dann wird als „beachtliche ökumenische Bilanz“ präsentiert, dass eben nicht nur wie dargelegt Schismatiker hofiert werden, sondern auch Häretiker im (!) Vatikan (Hervorhebung im Leitartikel) mitveranstalten dürfen. Wenn man Wahrheit verschweigt und Recht beiseite läßt, schlägt man im modernistischen Neusprech „über jahrhundertealte Gräben Brücken“. Welche Gräben? Wer ist für diese verantwortlich? Na, da schweigt dann besser des Sängers Höflichkeit, sonst würde es peinlich. Stattdessen spricht man lieber davon, dass „tausend Jahre Konkurrenz beendet“ werden. Klingt aseptisch sauber. Wer wann welches Unrecht beging, scheint gleichgültig zu sein – war halt Konkurrenz, einer nicht besser als der Andere. Kein differenzieren, aufarbeiten, genau hinsehen – beendet, wisch und weg. Hauptsache, man gibt sich die Hand und alles ist wieder gut – wie im Kindergarten üblich. Und dies erklärt Herr Horst noch als „vorbildhaft“.

Schöne neue Welt…

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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