Papst Franziskus blamiert Benedikt XVI. (Gloria.tv)

Deutschland. Franziskus macht alles anders als Benedikt XVI. Das kritisiert der Regensburger Stiftsdekan Heinrich Wachter vor dem „Wochenblatt“. Der Papst blamiere seinen Vorgänger. Franziskus sei theologisch nicht auf dem Laufenden. Zitat: „Er redet unwahrscheinlich viel, aber er gibt kaum eine klare Stellungnahme ab.“ Kardinal Meisner habe festgestellt, dass die Aussagen des Papstes – Zitat: „immer sehr problematisch sind“. Das Gefährliche an Franziskus sei, dass er am Ende keine Entscheidungen treffe und viele Interpretationsmöglichkeiten offenlasse. https://gloria.tv/media/xK6qxyFnz8H

Hier das Interview im Original:

http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Regensburger-Geistlicher-Papst-Franziskus-blamiert-doch-unseren-Papst-Benedikt-dauernd-;art1172,346292

Wir treffen Prälat und Stiftsdekan Heinrich Wachter in seinem Büro in der Viereimergasse. Er traf kürzlich Papst Benedikt. Wir sprachen mit dem Geistlichen über die Missbräuche bei den Domspatzen, die Entwicklung der Weltkirche – und Papst Franziskus.

Herr Prälat, was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Papst Benedikt und Papst Franziskus?

Prälat Wachter: Da gibt es gewaltige Unterschiede. Man kann pauschal sagen: Franziskus macht alles anders. Das ist zwar sicher nicht seine Absicht, das muss man Franziskus nicht unterstellen, aber in vielem, wie er handelt, blamiert er seinen Vorgänger. Er stellt sich grundsätzlich anders ein zu bestimmten Verhaltensweisen wie unser Benedikt. Theologisch ist Franziskus im Vergleich zu ihm aber gar nicht auf dem Laufenden. Er redet unwahrscheinlich viel, aber er gibt kaum eine klare Stellungnahme ab. Selbst Kardinal Meisner sagte zu ihm, dass seine Aussagen immer sehr problematisch sind.

Woher kommt das?

Franziskus trifft seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die dann für die Menschen, die immer nach Veränderungen schreien in der Katholischen Kirche, zu ihren Gunsten interpretieren. Das hat sich sehr zugespitzt.

Was bewirkt das innerhalb der Kirche?

Kardinal Brandmüller hat seinem Kollegen, Kardinal Kasper, schon Häresie vorgeworfen. Das sagt doch schon alles. Viele Menschen in Deutschland haben aber das Gefühl: Endlich ändert sich was, beispielsweise bei geschiedenen Wiederverheirateten.

Gibt es da jetzt aus Ihrer Sicht klare Linien?

Eben nicht! Es war doch schon fraglich, dass man eine Umfrage vor der Synode gemacht hat. Als hätte nicht die ganze Welt gewusst, wie die Einstellung der Leute zu diesen Themen ist. Da braucht es doch keine Umfrage! Die Bischöfe hatten doch auch vorher Kontakt zu den Menschen.

Ist das Populismus?

Ja, das sehe ich so. Das hat aber dazu geführt, dass Rom einen Dialog mit den Bischöfen führt. Aber der ist doch sang- und klanglos in die Binsen gegangen. Das ist völlig daneben gegangen, weil nicht das herausgekommen ist, was sich die Menschen, die Änderungen wollen, gewünscht haben. Das ging weiter mit der zweiten Synoden: Zweimal sind sie sich nicht einig geworden.

Und jetzt muss der Papst ein Fazit ziehen?

Ja, aber das zögert er hinaus! Das ist das Gefährliche bei ihm, dass er am Ende keine Entscheidung trifft. Es ist zwar sehr begrüßenswert, dass er alles anschneidet und über alles redet und dadurch sehr volkstümlich ist, aber er lässt zu viele Interpretationsmöglichkeiten offen.

Bei Benedikt sagte man, er trat zurück, weil er an der Kurie scheiterte. Franziskus setzt hier zwei Pole: Einerseits den neuen Kardinalsrat, in dem auch Kardinal Marx aus München Mitglied ist, und andererseits Kardinal Müller, der zu seinem Gegenspieler wird. Eine Konkurrenz?

Die war schon immer da, schon als Müller Bischof in Regensburg war, war Marx sein Gegner. Man ist sich aber nicht sicher, auf welcher Seite der Papst nun wirklich steht. Es war doch sonderbar, dass Franziskus wieder Kardinal Kasper zum Gespräch eingeladen hat. Und Kardinal Marx in München ist angetan von der Dezentralisierung der Kirche, die von Franziskus ausgeht. Er ködert die Weltbischöfe mit mehr Selbstständigkeit und drückt sich auf diese Weise von seinen eigenen Entscheidungen.

Welche wären das?

Er müsste sagen, wie er zu den geschiedenen Wiederverheirateten und zu den Homo-Ehen und diesen Problematiken wirklich steht. Das große Risiko bei ihm ist, dass ihn jeder für sich instrumentalisiert. Ein Beispiel war jetzt wieder die Ökumene. Da besucht er die evangelische Gemeinde in Rom und schenkt denen einen Kelch. Was soll das? Was sollen die mit dem Kelch anfangen? Natürlich hat die Frau Käßmann das so ausgelegt, dass er für die Interkommunion ist. Fahrlässig lässt er zu, dass sich etwa das Zentralkomitee der deutschen Katholiken solche Dinge dann zu eigen macht. Das ist doch auch bei uns die Krankheit.

Sehen Sie das auch in den anderen Ländern?

Nein, das ZdK haben nur die Kommunisten ehemals und wir.

Auffällig sind die Unterschiede zwischen den konservativen süddeutschen Bischöfen wie Voderholzer und Oster in Passau. Warum sind sie so anders als die Norddeutschen?

Die Zusammensetzung in der Diözese übt sicher einen Einfluss aus. Aber dass die deutschen Bischöfe gar nicht mehr zusammen halten, erklärt das nicht.

Kürzlich hat Erzbischof Gänswein den zurückgetretenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebart-van Elst in Schutz genommen und den Rücktritt des Domkapitels gefordert. Wie sehen Sie das?

Ein Domkapitel kann einen Bischof völlig auflaufen lassen und isolieren. Gänswein hat ja die Limburger gefragt, ob sie überhaupt noch ein Teil der Weltkirche sein wollen (lacht).

Glauben Sie, dass das den Limburgern egal ist?

Das glaube ich nicht. Das wird sich mit der Neubesetzung in Limburg schon ändern. Zwar wird spekuliert, dass Georg Gänswein selbst hingeht, aber das glaube ich nicht.

Hat die Macht der Glaubenskongregation unter Gerhard Ludwig abgenommen?

Dadurch, dass Teile der Bischöfe glauben, dass Papst Franziskus nicht hinter ihm steht, ist eine gefährliche Situation entstanden. Der Papst hat alle Positionen auf fünf Jahre begrenzt und man muss befürchten, dass Müller nur noch drei Jahre im Amt ist. Dabei steht ja der Glaubenspräfekt in seinem Amt über dem Papst, weil ja er kontrolliert, ob der Papst überhaupt noch katholisch ist.

Der Missbrauch um die Domspatzen wird nun aufgearbeitet. Wie finden Sie das?

Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen.

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Übrigens: Zum ach so „konservativen“ Bischof Oster hat „Gloria Global“ heute berichtet:

Gegen das Kirchenrecht: Bischof Oster verbietet Alte Messen in der Gnadenkapelle

Deutschland. Bischof Stefan Oster von Passau hat bei einer Visitation in Altötting im letzten November die Zelebration der Alten Messe in der Gnadenkapelle verboten. Die Messe darf nur noch in der Siebenschmerzen-Kapelle der Stiftskirche gefeiert werden. Informierte Kreise gehen davon aus, dass Stiftspropst Günther Mandl hinter dem Verbot steckt. Mandl hat trotz des Motu Proprio von 2007 die Zelebration der Alten Messe am Gnadenaltar verboten. Erst nach Protesten und dem Einschreiten der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Die“ musste er 2009 zurück rudern.“ https://gloria.tv/media/xK6qxyFnz8H

Beim Stichwort „konservative Bischöfe“ kommt mir der leider viel zu früh gestorbene Pfarrer Milch aus Hattersheim in den Sinn. Der stellte immer wieder fest – zuletzt in seiner Rede im Eltzer Hof am 3. Mai 1987 (CD bestellbar bei actio spes unica) – dass es hinsichtlich der Glaubensverkündung keineswegs genüge, daß ein Bischof „immerhin“ diese und „wenigstens“ jene Glaubenswahrheiten verteidigt, daß es eben nicht entscheidend sei, ob ein Bischof hier und da etwas Richtiges sagt – ausschlaggebend sei vielmehr, „ob er das zur Geltung bringt, was not tut, auf das nicht verzichtet werden kann: der katholische Absolutheitsanspruch (zitiert nach Schüler, Wolfgang: „Pfarrer Hans Milch – Eine große Stimme des katholischen Glaubens“, Edition actio spes unica [2005], Band 2, Seite 1479).

 

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Über Kirchfahrter Archangelus

Jhg. 1967; rk; Verh., 3 Kinder. (Noch-)CDU-Mitglied seit 1983, 12 Jahre Stadtverordneter der CDU. Angesichts des herrschenden Gutdenker-Mainstreams in Gesellschaft, Partei und Kirche bin ich zum unzeitgemäßen Gegenläufer mit abweichenden Auffassungen geworden. Ich pilgere so oft wie möglich als Kirchfahrter (altdt. “Pilger“) in die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. betreute Kapelle St. Athanasius (Hattersheim). Kurz zur Politik: Ratiophobe Psychopathologien wie „Gender“ u. ä. lehne ich ab, ebenso das derzeit einheitlich handelnde Parteienkartell. Gleichwohl denke ich noch selbst und erwarte den wiederkehrenden Messias und nicht den wiederkehrenden Kaiser aus dem Kyffhäuser. Skeptisch sehe ich Zeitgenossen, die sich vorgeblich um das „christliche Abendland“ sorgen, aber selbst das Julfest feiern. Oder lautstark Familienwerte proklamieren, selbst aber privat notorischen Ehebruch praktizieren, in gleichgeschl. Lebensgemeinschaft leben oder Partner+Kinder verlassen, um sich neu zu liieren. Freunde vorgestanzter Sprachschablonen und abwegiger Schnurrpfeifereien kommen i.d.R. nicht auf Ihre Kosten. Der Blog gibt ausschließlich meine persönlichen, in der Regel politisch wie kirchlich inkorrekten Ansichten wieder und soll zusätzlich als Verstärkungs-Plattform für Themen dienen, welche in Gesellschaft wie Kirche totgeschwiegen werden. „Rebloggte“ Beiträge sollen - wenn von mir auch nicht immer geteilt - zur inhaltlich differenzierten Auseinandersetzung anregen und kritisch mittels öffentlich zugängiger Quellen überprüft werden. Gefährlicher als Verschwörungstheorien sind Kräfte, die abweichende Auffassungen anderer perfide als "Verschwörungstheorie" tabuisieren, um diese dem Diskurs und der Reflektion zu entziehen. Mit dem Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass man durch Anbringen eines Links auf seiner eigenen Homepage die Inhalte der gelinkten Seite ggf. mit zu verantworten hat. Dies kann man laut Gericht nur dadurch verhindern, indem man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Deshalb betone ich, dass ich keinerlei Einfluß auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe und distanziere mich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf dieser Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinem Blog angebrachten Links.
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