Novus Ordo? (summorum-pontificum.de)

Novus Ordo?

Bild von der im Beitrag genannten Website

Konzelebration – entkonfessionalisiert und gegendert

Die „Neue Ordnung“, unter Berufung auf „Das Konzil“ eingeführt und seitdem pausenlos von Lobgesängen ob ihrer köstlichen Früchte begleitet, zerfällt und verfault vor unseren Augen. Eine nationalkirchliche Extravaganz wie die gerade jetzt von den deutschen Bischöfen erteilte Erlaubnis zum Kommunionempfang durch „evangelische Ehepartner, die den katholischen Eucharistieglauben bejahen“ ist dabei noch eine „Sensation auf Sparflamme“, wie es das Sprachrohr der Bischöfe im Internet ausdrückt. Man hätte schon gerne noch etwas mehr gehabt – und tatsächlich: Anderswo ist man schon weiter.

Aus dem brasilianischen Mampituba kommt die Nachricht – man hofft, daß es fake-news wäre, fürchtet aber, es ist so geschehen – , daß Ortsbischof Barros bei einer öffentlichen „Messfeier“ neben mehreren Nachbarbischöfen und einigen Priestern seiner Diözese auch zwei protestantische Pfarrerinnen zur Konzelebration eingeladen habe – auf dem Bild oben sieht man die beiden hochwürdigen Damen links. Daß zu mindestens einer der Beteiligten sich darüber im Klaren war, was dort geschieht, sieht man an dem Diakon ganz rechts, der, wie es korrekt ist, keine unmögliche Teilnahme an der Konzelebration simuliert, sondern sich mit gefalteten Händen verneigt.

Fachleute mögen die Natur des dort anscheinend begangenen Sakrilegs näher bestimmen und aufzählen, gegen welche Vorschriften der Institutio Generalis und des Kirchenrechtes hier im Einzelnen verstoßen wurde – und welche Konsequenzen das für die Mittäter haben müßte, wäre die römische Kirche nicht im gegenwärtigen Pontifikat in einen Zustand der Gesetzlosigkeit eingetreten. Unsereinem bleibt blutenden Herzens die Wiederholung der eingangs getroffenen Feststellung: Die „Neue Ordnung“ zerfällt und verfault vor unseren Augen.

 

Wer die besondere Weihe des Opferpriesters in Zweifel zieht, wird auch protestantischen Religionsdienerinnen die sog. „Konzelebration“ schlußendlich kaum verweigern können.

Der Novus Ordo war und ist ein Gedankenkonstrukt der 60er, sobald der letzte seiner Apologeten ins Grab oder die Verzweiflung sinkt, ist er am Ende – der Zerfall beginnt bereits jetzt. Denn er ist liturgisch steril, muß Anleihen bei der aktuellen Tagespolitik und seichtem Gutmenschentum nehmen, um einigermaßen seine innere Leere zu übertönen.

Kirchenstruktur,-recht, Liturgie und Autorität zerfallen gerade vor unseren Augen, Glaubenstreue Priester und Laien bleiben unbehaust und vagant zurück. Diese Vaganten müssen nun untereinander Kontakt aufnehmen, robuste Strukturen bilden, um eine bedrohliche Zukunft zu bestehen.

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Die Kirche als Abbruchunternehmen? – Zum fatalen Kommunionbeschluß der Bischöfe

…und wie gewohnt dieselbe Platte: ermüdende Aufzählung aller Einzelheiten („Kardinal x fordert dies und Bischof Y sogar jenes!“), aufgeregtes Lamentieren über Einzelheiten, wieder Alarmmeldungen über einen „Schockzustand“ (der wievielte denn eigentlich, zählt da noch jemand mit?) und das war’s dann wieder für diesmal.

Hauptsache, Foto in der „Macher-Pose“ am Mikro (vermittelt dem Leser: ein gefragter Mann!) und Namen des Autors sind deutlich erkennbar.

Dabei dürfte die Intelligenz eines durchschnittlichen Mitteleuropäers bereits ausreichen, um folgendes zu erkennen: Interkonfessioneller Religionsunterricht in NRW als Pilotprojekt, priesterloser Wortgottesfeier mit Gemeindereferentin als de-facto-Pfarrerin und laiengeführte Gemeinde (und nun halt noch die Interkommunion) sind Stationen einer längst beschlossenen, strukturellen Annäherung an die protestantischen Gemeinschaften, nachdem die liturgische ja bereits abgeschlossen ist. Das Ziel ist offen erkennbar die Verschmelzung der Struktur der katholischen Kirche in Deutschland mit den protestantischen Gemeinschaften. Eine umständliche Analyse von Theologen und Kirchenrechtlern ist weder erforderlich noch ist Zeit dafür. Vor allem: Wen würde das Ergebnis dieser Analyse denn kümmern? Glaubt jemand im Ernst, es hätte Einfluß auf die „Verortung der deutschen Bischöfe in der Weltkirche“? „Dezentrale Lösungen“ sind im kirchlichen Trend, bitte aufwachen!

Was „Kardinal Joseph Ratzinger in der Erklärung „Dominus Iesu“ über das katholische und das evangelische Verständnis“ ausführt, ist doch vollkommen irrelevant. Relevant sind Fakten – und die werden von der DBK gerade geschaffen, mittels Strukturbeschlüsse und Steuermillionen. Es geht schlichtweg um Geld und Macht, Posten und persönliche Perspektive, die angemahnten „verbindlichen lehramtlichen Aussagen“ kann man getrost vergessen, interessiert die maßgeblichen Kreise nicht.

Statt verdrossen über die „Zurechtbiegung des Kirchenrechtes“ zu nölen, gilt es nun zu analysieren, was der glaubenstreue Rest noch konkret tun kann, um diesen Glauben noch zu bewahren. Sichten, sammeln, organisieren, statt sich nur fortweg von Thema zu Thema zu hangeln und folgenlos über DBK-Beschlüsse herumzuräsonieren.

CHRISTLICHES FORUM

Mathias von Gersdorff

Unmittelbar vor Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erstaunte Kardinal Reinhard Marx die Öffentlichkeit mit seiner Aussage, er spreche sich keineswegs für kirchliche Segnungen homosexueller Paare aus. 

Einige Wochen davor hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz in einem Interview beim Bayerischen Rundfunk sehr wohl für Segnungen „im Einzelfall“ plädiert, was eine weltweite Welle der Empörung auslöste. Kurz vor der Vollversammlung äußerten sich auch die deutschen Bischöfe Gebhardt Fürst (Stuttgart-Rottenburg) und Stephan Burger (Freiburg) ablehnend gegenüber diesem Vorstoß.

Nun könnte eventuell geklärt sein, wieso der Kardinal diesen Rückzieher vornahm: Die Deutsche Bischofskonferenz hat beschlossen, dass evangelische Personen, die mit einem Katholiken verheiratet sind, unter bestimmten Umständen die Kommunion empfangen dürfen.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass diese  –  völlig unerwartete  –  Ankündigung viele Gläubige in einen Schockzustand versetzen wird.

Die Begründung der Oberhirten scheint wie ein Trick bzw. wie eine Zurechtbiegung des Kirchenrechtes: In extremen Notlagen sollen evangelische…

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Noch ein Gedanke zu „Apostasie oder Untergrund“…


Wer meine gestrige Anmerkung zum Artikel Die Antifa ist ein Büttel der Herrschenden! von Vera Lengsfeld gelesen hat, wird eventuell gedacht haben: Glaubensabfall, ist dies nicht ziemlich übertrieben – nur Gerede militanter Fundamentalisten, hysterischer Traditionalisten? 

Gemach, gemach – der öffentlich inszenierte Glaubensabfall muß ja beileibe nicht zwingend so spektakulär wie die „Kopf-ab!“-Inszenierungen des sog. „IS“ werden, als 21 koptische Wanderarbeiter, die Christus treu blieben, den besagten Kopf kürzer gemacht wurden.

Für Mitteleuropa sind durchaus „softere“ Varianten, als der rabiat den Übertritt zum Islam fordernde vermummte Säbelschwinger wahrscheinlich: eine katholisch/evangelisch fusionierte de-facto-Staatskirche könnte beispielsweise – zur Beruhigung der christlich geprägten älteren Jahrgänge – weiterhin durchaus Liturgien in ihren vertrauten Kirchgebäuden anbieten (hat übrigens schon damals nach der „Reformation“ in England lange Jahre problemlos geklappt, viele begriffen den Unterschied zwischen anglikanischer Hochkirche und der katholischen gar nicht), nunmehr als „ökumenisch-eucharistische Liturgie“ im gemeinsamen Gottesdienst (https://www.schwaebische.de/ueberregional/politik_artikel,-vorbereitungen-für-eine-ökumenische-messe-_arid,10792630.html). Diese Kirche achtet natürlich penibel darauf, jeweils tagespolitisch im „Wording“ gesellschaftskompatibel zu sein („Geflüchtetenpolitik“, „Geschlechtergerechtigkeit“ etc.) und allen politischen Anforderungen gerecht zu werden („Homo-Segnung“). Derweil grüßt der Papst als Vorsitzender der „Vereinten Religionen“ (https://www.katholisches.info/2014/09/uno-durch-vereinte-religionen-ersetzen-vorschlag-von-shimon-peres-an-papst-franziskus/), welch alle als friedliebend von der UNO anerkannten Religionen vereint.

Alle Gruppen, die dort nicht vertreten sind, gelten somit per se als verdächtige Haßprediger und militante Fundamentalisten, so dann auch die Priesterbruderschaft St. Pius X. Wurden bereits bisher Stimmen aus dem linken Politspektrum laut, welche die FSSPX als „antisemitisch“ und „antidemokratisch“ stigmatisierten und die Beobachtung durch den Verfassungsschutz forderten, so wird dieser politische Druck zunehmen und perspektivisch absehbar mittel- bis langfristig zum Verbot der FSSPX in Deutschland führen. Somit würde das überlieferte Heilige Meßopfer dann nur noch in deren Prioraten quasi im Untergrund gefeiert werden, denn die „Ecclesia dei“-Gemeinschaften hätten wohl auch kein langes Leben mehr.

Und dann steht die Entscheidung jedem Einzelnen bevor: Heilige Messe im Untergrund oder offiziell respektierte „ökumenische Liturgie“? Geht man zum Opferpriester oder zum Pastoralteamleiter? Sucht man eine Gemeinschaft glaubenstreuer, aber notgedrungen vaganter Katholiken oder hält man zur offiziellen (inhaltlich so zwischen Greenpeace, der IG Metall und Amnesty International angesiedelten) diözesanen Ortspfarrei?

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Nuclear Posture Review 2018: Nuklearwaffen bleiben eine geopolitische Realität (strategische-studien.com)

Strategische Studien

Nuclear Posture Review 2018: Nuklearwaffen bleiben eine geopolitische Realität

by Prof. Dr. Albert A. Stahel

22. Februar 2018

Russsischer Nuklearbomber Tu-160 Blackjack
Russsischer Nuklearbomber Tu-160 Blackjack

In bestimmten Zeitabständen werden durch US-Regierungen Berichte mit dem Titel «Nuclear Posture Review» über den Zustand, den weiteren Ausbau und die Einsatzziele der strategischen und nichtstrategischen Nuklearwaffen der USA veröffentlicht. Der letzte Bericht erschien 2010. Jetzt hat die Trump-Administration einen neuen Bericht veröffentlicht. Ein wichtiger Auslöser für diesen Bericht war die Neubeurteilung der geopolitischen Lage, die durch die strategischen Aktivitäten von Russland und China verändert worden ist:[1]

«Since 2010 we have seen the return of Great Power competition. To varying degrees, Russia and China have made clear they seek to substantially revise the post-Cold War international order and norms of behavior. Russia has demonstrated its willingness to use force to alter the map of Europe and impose its will on its neighbors, backed by implicit and explicit nuclear first-use threats. (…) China meanwhile has rejected the ruling of the Permanent Court of Arbitration Tribunal that found China’s maritime claims in the South China Sea to be without merit and some of its related activities illegal under the U.N. Convention on the Law of the Sea and customary international law. Subsequently, China has continued to undertake assertive military initiatives to create ‘facts on the ground’ in support of its territorial claims over features in the East and South China Seas.»

Des Weiteren seien weder Russland noch China dem Vorbild der USA bei der Abrüstung der Nuklearwaffen gefolgt:[2]

«Despite concerted U.S. efforts to reduce the role of nuclear weapons in international affairs and to negotiate reductions in the number of nuclear weapons, since 2010 no potential adversary has reduced either the role of nuclear weapons in its national security strategy or the number of nuclear weapons it fields. Rather, they moved decidedly in the opposite direction.»

Eine weitere Ursache für die veränderte geopolitische Lage bestehe darin, dass Russland die USA und die NATO nach wie vor als Hauptgegner betrachte. Die russische Strategie zur Einschüchterung der NATO beruhe auf dem angedrohten Einsatz von Nuklearwaffen:[3]

«Russia considers the United States and the North Atlantic Treaty Organization (NATO) to be the principal threats to its contemporary geopolitical ambitions. Russian strategy and doctrine emphasize the potential coercive and military uses of nuclear weapons.»

Auch China trage durch nukleare Aufrüstung zur Veränderung der geopolitischen Lage bei:[4]

«China has developed a new road-mobile strategic intercontinental ballistic missile (ICBM), a new multi-warhead version of its DF-5 silo-based ICBM, and its most advanced ballistic missile submarine armed with new submarine-launched ballistic missiles (SLBM). It has also announced development of a new nuclear-capable strategic bomber, giving China a nuclear triad. China has also deployed a nuclear-capable precision guided DF-26 intermediate-range ballistic missile capable of attacking land and naval targets.»

Der Bericht erwähnt auch Nordkorea und den Iran als die beiden weiteren Herausforderer der USA mit Nuklearwaffen.

Gegenüber diesen vier Herausforderern – insbesondere Russland und China – hat das US-Arsenal an Nuklearwaffen die folgenden vier Abschreckungsziele zu erfüllen:[5]

« -deterrence of nuclear and non-nuclear attack;

– assurance of allies and partners;

– achievement of U.S. objectives if deterrence fails; and

– capacity to hedge against an uncertain future.»

 

Das erste und das zweite Ziel umfassen auch die erweiterte Abschreckung (Extended Deterrence) der USA gegenüber gegnerischen Angriffen mit Nuklearwaffen und Nichtnuklearwaffen auf Alliierte.[6]

Gegenüber Russland hat das US-Arsenal an strategischen und nichtstrategischen Nuklearwaffen, zusammen mit dem britischen und französischen Arsenal, folgende Abschreckungsziele zu erfüllen:[7]

«(…). Western nuclear and non-nuclear capabilities to hold diverse types of Russian targets at risk throughout a crisis or conflict, and point to the continuing great value of the flexibility inherent in the combination of the U.S. nuclear triad, U.S. and other NATO non-strategic nuclear forces deployed in Europe, and the nuclear forces of British and French Allies.»

Gegenüber China wird der Abschreckungswert des strategischen US-Arsenals hervorgehoben:[8]

«Our tailored strategy for China is designed to prevent Beijing from mistakenly concluding that it could secure an advantage through the limited use of its theater nuclear capabilities or that any use of nuclear weapons, however limited, is acceptable.»

Für die Abschreckung von Nordkorea weist der Bericht auf die Bedeutung der amerikanischen Raketenabwehr und die Möglichkeit eines präemptiven (nuklearen?) Schlages der USA gegen das Land hin:[9]

«Although North Korea’s missile forces are expanding and increasingly mobile, U.S. and allied missile defenses are increasingly capable against North Korea’s missile threat, and the United States has the early warning systems and strike capabilities necessary to degrade North Korean missile capabilities prior to launch.»

Da der Iran noch keine wirkliche Nuklearmacht sei, beschränkt sich die Abschreckung der USA gemäss Bericht auf Drohungen:[10]

«The United States will continue to strengthen these capabilities as necessary to stay ahead of Iranian threats as they grow.»

Angesichts der Herausforderungen durch die nukleare und nichtnukleare Aufrüstung und der Drohungen seitens Russlands, Chinas, Nordkoreas und des Irans wollen die USA ihre nuklearstrategische Triade mit den see- und landgestützten Flugkörpern und den Bombern einschliesslich der nichtstrategischen Nuklearwaffen in Europa und Asien für die erweiterte Abschreckung (Extended Deterrence) erneuern.[11] Die Erneuerung der nuklearstrategischen Triade soll alle drei Bereiche umfassen. Damit soll auch in Zukunft für den Fall eines gegnerischen Erstschlages mit Nuklearwaffen gegen die USA die Redundanz des Arsenals und damit die Führung eines Gegenschlages gesichert sein:[12]

  1. Sea-Based Deterrent Force

Die seegestützte Abschreckung ist durch eine Flotte von nuklearangetriebenen U-Booten (SSBN, Nuclear-Powered Ballistic Missile Submarine(s)) der OHIO-Klasse, die mit U-Boot-gestützten Flugkörpern (SLBM, Submarine-Launched Ballistic Missile(s)) Trident II (D5) ausgerüstet sind, gegeben. Die Ohio-U-Boote sind seit 1981 in Dienst gestellt worden. Während die Einsatzdauer der SLBM durch Upgrading bis 2042 im Einsatz sein werden, soll die Ohio-Flotte schrittweise ab 2031 durch 12 neue U-Boote der COLUMBIA-Klasse, ausgerüstet mit Trident II, ersetzt werden;[13]

  1. Land-Based Deterrent Force

Die landgestützte Abschreckung beruht zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf 400 Interkontinentalen Ballistischen Flugkörpern (ICBM, Inter-Continental Ballistic Missile(s)) des Typs Minuteman III, ausgerüstet mit je einem Gefechtskopf. Ab 2029 sollen diese Minuteman, die seit über 40 Jahren im Einsatz sind, durch 400 neue ICBMs (Ground-Based Strategic Deterrent, GBSD) abgelöst werden.[14]

  1. Air-Based Deterrent Force

Die luftgestützte Abschreckung wird durch 46 Langstreckenbomber B-52H und 20 «Stealth» strategische Bomber B-2A erreicht. Die B-2A führen nukleare Freifallbomben (B83-1 und B61-11) und die B-52H sind für den Einsatz von luftgestützten Marschflugkörpern vorgesehen. 2020 wird die neue nukleare Feifallbombe B61-12 einsatzbereit sein. Die jetzt verfügbaren Marschflugkörper sollen in den kommenden Jahren durch neue Marschflugkörper (Long-Range Stand-Off, LRSO) abgelöst werden.[15]

Ab Mitte der nächsten 20er Jahre sollen die bestehenden Bomber durch neue Bomber des Typs B-21 zuerst ergänzt und dann definitiv ersetzt werden. Der neue Bomber wird sowohl Feifallbomben wie auch luftgestützte Marschflugkörper einsetzen können.[16]

Die Trump-Administration will auch die Non-Strategic Nuclear Weapons erneuern. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügen die USA als nichtstrategische Nuklearwaffen in Europa über nukleare Freifallbomben B61, die durch Kampfflugzeuge F-15E abgeworfen werden könnten. Mit diesen Waffen wird der Abschreckungswert der NATO-Strategie Flexible Response gegenüber einem grossangelegten konventionellen Angriff gesichert.[17] Bereits heute ist die Ablösung und der Ersatz der Kampfflugzeuge F-15E durch Kampfflugzeuge der 5. Generation F-35 im Gange.[18] Ab 2021 sollen die bisherigen Freifallbomben durch neue Bomben des Typs B61-12 ersetzt werden.[19]

Zur Abschreckung des russischen Arsenals mit 2’000 nichtstrategischen Nuklearwaffen (Lenkwaffen, ballistische Flugkörper des Kurzstreckenbereichs, Freifallbomben, Mittelstreckenbomber, Jagdbomber, U-Boot-Abwehr, Torpedos) und als Gegengewicht zur russischen Aushöhlung des INF-Vertrages von 1987 über nukleare Mittelstreckenwaffen, plant das Pentagon in Ergänzung zur Modernisierung des US-Arsenals in Europa die Einführung neuer nichtstrategischer Nuklearwaffen.[20] Als zusätzliches Druckmittel gegenüber Moskau wollen die USA eine kleine Zahl der vorhandenen nuklearen Gefechtsköpfe von U-Boot-gestützten ballistischen Flugkörpern durch Gefechtsköpfe kleinerer Sprengkraft ersetzen. Des Weiteren soll die Abschreckungswirkung gegenüber den russischen nichtstrategischen Nuklearwaffen durch die Entwicklung und Einführung eines modernen seegestützten Marschflugkörpers (Sea-Launched Cruise Missile(s)) mit einem nuklearen Gefechtskopf erhöht werden. Damit könnten Auseinandersetzungen in anderen Staaten betreffend die Stationierung von US-Nuklearwaffen vermieden werden: [21]

«They are compliant with all treaties and agreements, and together, they will: provide a more diverse set of characteristics greatly enhancing our ability to tailor deterrence and assurance; expand the range of credible U.S. options for responding to nuclear or non-nuclear strategic attack; and, enhance deterrence by signaling to potential adversaries that their concepts of coercive, limited nuclear escalation offer no exploitable advantage.»

Der Bericht «Nuclear Posture Review 2018» ist ein Beleg dafür, dass auch in Zukunft Nuklearwaffen trotz Abrüstungsgesprächen, das entscheidende Mittel der Geopolitik der Grossmächte sein werden. Nuklearwaffen werden in den kommenden Jahrzehnten eine geopolitische Realität bleiben.

 

[1]Office of the Secretary of Defense, Department of Defense, Nuclear Posture Review 2018, NPR, Washington DC, 2018, P. 6.

[2] Office of the Secretary of Defense, P. 7.

[3] Office of the Secretary of Defense, P. 8.

[4] Office of the Secretary of Defense, P. 11.

[5] Office of the Secretary of Defense, P. 20.

[6] Schwarz, U. and L. Hadik, Strategic Terminology, Econ-Verlag, Düsseldorf and Wien, 1966, P. 57/58.

[7] Office of the Secretary of Defense, P. 31.

[8] Office of the Secretary of Defense, P. 32.

[9] Office of the Secretary of Defense, P. 33.

[10] Office of the Secretary of Defense, P. 34.

[11] Office of the Secretary of Defense, P. 34-37.

[12] Office of the Secretary of Defense, P. 44-51.

[13] Office of the Secretary of Defense, P. 49.

[14] Office of the Secretary of Defense, P. 46/49/50.

[15] Office of the Secretary of Defense, P. 46/47.

[16] Office of the Secretary of Defense, P. 50.

[17] Office of the Secretary of Defense, P. 48.

[18] Office of the Secretary of Defense, P. 50/54.

[19] Office of the Secretary of Defense, P. 48.

[20] Office of the Secretary of Defense, P. 53.

[21] Office of the Secretary of Defense, P. 54/55.

strategische-studien.com/2018/02/22/nuclear-posture-review-2018-nuklearwaffen-bleiben-eine-geopolitische-realitaet/

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Anmerkung zu: Die Antifa ist ein Büttel der Herrschenden! (vera-lengsfeld.de)

Die Antifa ist ein Büttel der Herrschenden!

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Am letzten Wochenende haben wir in Berlin erleben müssen, wie durch eine Zusammenarbeit von Antifa und Staatsmacht das Demonstrationsrecht, das nicht nur im Grundgesetz , sondern auch in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als essentiell für die Demokratie festgeschrieben ist, ausgehebelt wurde.

Die angemeldete Demonstration von Frauen gegen Gewalt wurde durch illegale Blockaden, die von der Polizei nicht aufgelöst wurden, behindert. Alle Beobachter berichten übereinstimmend, dass es von staatlicher Seite nicht geplant war, die Demonstration, die vom Halleschen Tor in Kreuzberg bis zum Kanzleramt gehen sollte, weiter als bis zum berühmten Check Point Charly kommen zu lassen.
Bis dahin war der Demonstrationsweg am Straßenrand mit Gittern markiert, hinter dem Check Point Charly gab es keine Gitter mehr. Die Antifa saß unbehelligt auf der Straße und versperrte den Demonstranten den Weg.
Später hat sich die Polizei dankbar gezeigt und schrieb der linksradikalen Gruppe „ichbinhier“ ins Facebook: „Wir wissen die Beteiligung sehr zu schätzen und bedanken uns dafür.“ Wer nicht glauben wollte, dass dieses Dankschreiben wirklich von der Berliner Polizei stammte, bekam die Antwort: „Ja, tut es“. Gleichzeitig ließ die Polizei auf ihrer Seite wissen, dass Auswanderung eine Option sei, die jedem offen stünde.

Das ist der fundamentale Unterschied zur DDR: Damals wurden die Bürger gegen ihren Willen gewaltsam im Land festgehalten, heute versucht man, sie mit Gewalt zu vertreiben, jedenfalls diejenigen, die mit dem rasanten Abbau von Rechtsstaatlichkeit, der immer offener von der Politik betrieben wird, nicht einverstanden sind.

Wer glaubt, die Antifa sei ein spezifisch deutsches Problem, irrt sich leider. Inzwischen gibt es „antifaschistische“ Strukturen weltweit, die gemeinsam haben, dass sie mit ihrer Propaganda und ihren Aktionen die Auflösung von Nationalstaaten zugunsten einer Weltregierung betreiben.

Schon Wladimir Illitsch Lenin, der 1917 in Russland erfolgreich die demokratische, bürgerliche Februarrevolution durch seinen Oktoberputsch in eine Bewegung verwandelte, die in einen mörderischen totalitären Staat mündete, sabotierte während des Ersten Weltkrieges alle Friedensbemühungen der linken Parteien Europas. Lenin wollte die Verwandlung des Krieges in einen europäischen Bürgerkrieg. Nur im Chaos, so seine feste Überzeugung, könnte eine neue Weltordnung entstehen.

Mit der Weltordnung wurde es nichts. Aber die Linksradikalen haben den Plan einer Weltregierung nie aufgegeben. Heute wird Europa von der Politik durch geplante Masseneinwanderung destabilisiert. Soll das Chaos, das Lenin zur Schaffung eines Weltimperiums für unverzichtbar hielt, so erzeugt werden? Jedenfalls wird der Plan einer Weltregierung neben der Politik und den Konzernen auch von der Antifa propagiert.

„Wandschmierereien, wild geklebte Plakate und Aufkleber transportieren diese allgegenwärtige Propaganda“, heißt es in einem sehr lesenswerten Beitrag, des „Katholischen Magazins für Kirche und Kultur“. „Diese hat gegenüber kommerzieller Werbung sogar einen gewissen Vorteil. Denn durch den inoffiziellen bis illegalen Charakter dieser Medien ist die breite Öffentlichkeit geneigt, sie als Ausdruck von „Graswurzelbewegungen“, als Initiative „von unten“, zu verstehen und als idealistisches Unterfangen, also quasi als Rebellion gegen die Mächtigen, zu bewerten. Das ist jedoch eine Fehleinschätzung“.

Was es mit dem Slogan: „No border, no nation“, der weltweit von der Antifa propagiert wird, auf sich hat und warum das ein Zeichen der angestrebten weltweiten Diktatur ist, kann man hier nachlesen.
Nicht vergessen: One world ist one prison.

http://vera-lengsfeld.de/2018/02/21/die-antifa-ist-ein-buettel-der-herrschenden/#more-2387

 

 

Beängstigende Tendenzen, die gerade für glaubenstreue Kräfte hoch relevant sind. Das Demonstrationsrecht für Menschen, die gegen die Politik der Regierung öffentlich Stellung beziehen wollen, scheint in der Hauptstadt „nicht mehr durchsetzbar“ zu sein.

Derweil die gezielte Repression gegen alle oppositionellen Kräfte immer deutlichere Züge annimmt, vertrödeln konservativ-katholische „Aktionen“, „Arbeitskreise“ und diverse „Foren“ die Zeit damit, Aussagen einzelner Ortsbischöfe kritisch zu untersuchen und permanent zu lamentieren, dass die Bischöfe irgendwie ja gar nicht mehr katholisch seien.

Dass gerade von der Hierarchie auf kalten Wege – per laiengeleiteter Pfarrei, interkonfessioneller Religionsunterricht plus die „Wort-Gottes-Feier“-leitende Gemeindereferentin als de-facto-Pfarrerin – eine ökumenische Staatskirche für die kommende linke Gesellschaft formiert wird (Stichwort „Homo-Segnung“…), scheint dabei den wenigsten aufzugehen.

Anstatt Wortklauberei zu betreiben, sollte man sich endlich um robuste und belastbare Strukturen kümmern, welche auf die – sich rapide nähernde – Zukunft ausgerichtet sind: Bereits heute sind als „ultrakatholisch“ stigmatisierte Gruppen und Einzelpersonen Gegenstand der als „Recherche“ getarnten Internetausspähung durch private Stiftungen, bereits heute werden Geschäftsstellen von Pro-Life-Gruppen attackiert, bereits heute sind „Märsche für das Leben“ nur unter massivem Polizeischutz durchführbar.

Glaubenstreue Kräfte sind derzeit (noch) am Rande von Kirche und Gesellschaft, wenn manche Schlafmützchen nicht bald aufwachen, finden sie sich aber – und dies schneller als sie es für möglich halten – vor die Wahl „Apostasie oder Untergrund“ gestellt…

Veröffentlicht unter Ausgewählte Exempel (partei)politisch organisierter Dissidenz, Gesellschaftsumgestaltung/Social Engineering, Globale System-Transformation, Koordinierte Repressalien und Einschüchterung gegen dissidente Strukturen | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Soziopathen in der Funktionsstruktur V

Zum (vorläufigen) Schluß meiner Überlegungen zu diesem Thema möchte ich auf die Unterscheidung zwischen der Volkskrankheit Nr. 1 Depression und der (sowohl psychologisch wie politisch brisanten) Demoralisierung hinweisen, stellt sich doch die Frage, ob sich die Folgen von gaslighting u.ä. wirklich so probat in der (mittlerweile Allerwelts-) Diagnose „Depression“ oder „Burnout“ unterbringen lassen. John F. Schumaker vertritt hierzu als (pensionierter) klinischer Psychologe einen anderen Ansatz. Er weist in Abgrenzung zur Depression auf die „heimtückische Epidemie der Demoralisierung“ hin, welche einige Symptome mit Depressionen teile und daher mit dieser schnell verwechselt werden könne. Er definiert sie im Kern als „allgemeinen Verlust von Glaubwürdigkeit im Bereich der Annahmen, die unsere Existenz begründen und unser Handeln leiten„.

Anders als eine depressiven Störung ist die Demoralisierung eine Art existentielle Störung, die mit dem Zusammenbruch der „kognitiven Orientierungskarte“ einer Person verbunden ist. Es ist eine übergreifende psycho-spirituelle Krise, in der sich die Opfer allgemein desorientiert fühlen und nicht in der Lage sind, Sinn, Zweck oder Quellen der Bedürfniserfüllung zu lokalisieren. Die Welt verliert ihre Glaubwürdigkeit, und frühere Überzeugungen und Überzeugungen lösen sich in Zweifel, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit auf. Frustration, Wut und Bitterkeit sind übliche Begleiterscheinungen, aber auch das Gefühl, Teil einer verlorenen Sache oder eines verlorenen Kampfes zu sein. Die Bezeichnung „existentielle Depression“ ist nicht angebracht, da die Demoralisierung im Gegensatz zu den meisten Formen der Depression eine realistische Reaktion auf die Umstände ist, die sich auf das Leben der Person auswirken.“ www.antikrieg.com/aktuell/2017_12_26_derdemoralisierte.htm

Die kulturell bedingte Demoralisierung sorgt mit anderen Worten für den kompletten Ausfall des „Inneren Kompass“ der Person, der ihr sagt, was real und moralisch verwerflich ist und was nicht, was redlicherweise von ihr erwartet wird und was nicht. Mit der Folge, das weder im wortwörtlichen noch übertragenen Sinne gesagt werden kann, was „richtig“ und falsch“ , „rechts“ oder „links“ ist. Zusammen mit dem nahezu kompletten Ausfall bisheriger ethischer Wegweiser wie schulische und elterliche Erziehung und kirchliche Lehre führt der Kompass-Ausfall zum kompletten Kursverlust, man dümpelt, getrieben vom Seegang, so vor sich hin. 

Die Forschung zeigt, dass die meisten Menschen heute im Gegensatz zu früher keine Lebensphilosophie oder Leitprinzipien erkennen können. Ohne existentiellen Kompass tendiert der kommerzialisierte Verstand zu einer „Philosophie der Vergeblichkeit“, wie Noam Chomsky es nennt, in der sich die Menschen jenseits ihrer konditionierten Rolle als fügsame Konsumenten machtlos und bedeutungslos fühlen. Ohne Substanz und Tiefe und ohne Rücksicht auf andere und sich selbst, ist das dünne und zerbrechliche Selbst des Konsumenten leicht aufgespalten und entmutigt. http://www.antikrieg.com/aktuell/2017_12_26_derdemoralisierte.htm

Selbst bislang seit Jahrtausenden unverrückbar feststehende Tatsachen, beispielsweise, dass die menschliche Art aus Frauen und Männer besteht, lösen sich in einem diffusen Zwielicht auf – fluide „Genderwesen“ werden von Politik, Medien und „Wissenschaft“ plötzlich als real ausgegeben. Sog. „transhumanistische“ Vorhaben verschmelzen nun auch die bislang unübersteigbare Grenze zwischen Körper und Maschine, zwischen Gewebe und Plastik. Nanocomputer im menschlichen Körper rücken in greifbare Nähe, das bisher höchstens aus Science-Fiction-Filmen und -Büchern bekannte „Cyborg“-Thema (Cyber Organismus) wird real umsetzbar (vgl. Vom Sein zum Design von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz in: Die Tagespost, 1. Februar 2018, Seite 25). 

Seit unvordenklicher Zeit feststehende Begriffe wie „Ehe“ und „Familie“ werden entleert mit einem neuen, variablen Inhalt aufgefüllt. Obgleich Schumaker das Problem der Demoralisierung unter eher allgemein-kulturellen Vorzeichen im Hinblick auf Konsumverhalten betrachtet, kommt er bei seinen Überlegungen bezeichnenderweise auf die Begriffe „unterdrückte Menschlichkeit“, „Soziopahie“ und „Manipulation“:

Die menschliche Kultur ist zu einer soziopathischen Marketingmaschine mutiert, die von ökonomischen Prioritäten und psychologischer Manipulation dominiert wird. Niemals zuvor hat ein kulturelles System seine Anhänger dazu gebracht, so viel von ihrer Menschlichkeit zu unterdrücken. An der Spitze dieser feindlichen Übernahme der kollektiven Psyche stehen zunehmend hochentwickelte Propaganda- und Desinformations-Industriezweige, die die Illusion des Konsumglücks durch wildes Verstärken unserer Erwartungen an die materielle Welt in den Verkehr bringen. Die Verbraucher von heute sind mit Abstand die am meisten von Propaganda bearbeiteten Menschen in der Geschichte. Die unerbittliche und sich wiederholende Wirkung ist hoch hypnotisch, vermindert die kritischen Fähigkeiten, reduziert das Selbstbewusstsein und verwandelt kommerzielle Illusionen in einen Ersatz für Sinn und Zweck.

Nach dem russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow kann man Menschen durch das erzwungene Überfordern der psychischen Leistungsfähigkeit zur Aufgabe der gelernten Inhalte ihres Bewusstseins, ihrer Werte und Normen, aber auch Erinnerungen bringen. Diese Leere lässt sich dann mit neuen Inhalten füllen – zum Beispiel mit einer zuvor abgelehnten Ideologie (www.heilpraxisnet.de/symptome/psychologische-manipulation-gehirnwaesche).

Dieser Bewußtseinsverlust wird herkömmlich in sog. „Umerziehungslagern“ (vor allem in Asien) etwa durch Schlafentzug, Hunger, Durst, Todesangst oder Isolationshaft angestrebt, demgegenüber definierte die 2003 verstorbene Klinische Psychologin Margaret Thaler Singer „Gehirnwäsche“ als „die nicht sichtbare soziale Anpassung.“ Die im Gegensatz zu den harten Methoden der Lager benutzten „weichen Methoden“ besser und vor allem nachhaltig: „Wenn man andere wirklich umdrehen will, dann sind die weichen Methoden billiger, weniger auffällig und hoch effektiv. Die alte Devise, dass Honig mehr Fliegen anzieht als Essig gilt auch heute noch.“

Nach Singer vollzieht sich besagte nicht sichtbare soziale Anpassung in sechs Schritten:

1. Lass die Person in Unkenntnis darüber, was vor sich geht und wie sie sich Schritt für Schritt ändert.

2. Kontrolliere Umgebung und Umwelt der Person, vor allem kontrolliere ihre Zeit.

3. Erzeuge in der Person gezielt ein Gefühl der Ohnmacht.

4. Stelle ein System von Belohnung und Strafe auf und steuere die Erfahrungen so, dass das Verhalten der Person, das ihre frühere Identität widerspiegelt, unterdrückt wird.

5. Stelle ein System von Belohnung und Strafe auf und steuere die Erfahrungen so, dass die Person das neue Glaubenssystem und die Verhaltensnormen der Gruppe verinnerlicht.

6. Entwickle ein in sich geschlossenes logisches System und eine autoritäre Machtstruktur, die kein Feedback zulässt und ohne Zustimmung oder Anordnung der Führung nicht geändert werden kann.“ vgl. www.sektenwatch.de/drupal/sites/default/files/files/psycho_seminare.pdf):

Gehirnwäsche ist demzufolge kein einmaliges Brechen einer Persönlichkeit durch Gewalt, sondern eine schleichende Manipulation, in der soziale und psychologische Einflüsse peu a peu ausgetauscht werden. Die Wahrnehmung eines Menschen von seiner Umwelt wird neu programmiert.

Singer erläutert den Sinn solcher Programmierungen: „Die Programme zielen darauf ab, das Selbstkonzept einer Person zu destabilisieren, sie dazu zu bringen, ihre Lebensgeschichte völlig neu zu interpretieren und eine neue Version der Wirklichkeit der ursächlichen Zusammenhänge zu akzeptieren.

Eine verbreitete Methode hierzu ist die Suggestion, das gewünschte Verhalten sei alternativlos. Hier funktioniert in der Regel der sachliche Bezug auf vorgeblich „neutrale“ Sachzwänge, welche – wie bereits beschrieben – automatisierte Prozesse auslösen. Läßt man sich auf diese „Sachzwang-Logik“ ein, kommt man folgerichtig zum suggerierten Ergebnis: Budget zu knapp = „logischerweise“ Einsparungen/Mehrarbeit erforderlich. Weder das Budget als solches (ist eine Budgetierung im betreffenden Bereich überhaupt zweckmäßig?) noch sein Umfang (von vornherein zu knapp kalkuliert? Wer trägt dafür die Verantwortung?) werden dann in Frage gestellt – Ergebnis: man ist ein Bestandteil des geräusch- und störungsfreien Funktionsprozesses.

Personen, die sich weigern, sich auf ein reines Funktionsmodul zu reduzieren und statt dessen selbst nachdenken und eigene Lösungen vorschlagen, werden umgehend mit dem Label Bedenkenträger oder süffisant als Sesselfurzer stigmatisiert und ausgegrenzt, erhalten also ein negatives Feedback. Zeigt dieser (oft einem locker-jovialen Ton ausgesprochene) „Warnschuß“ nicht das gewünschte Ergebnis, beginnt die Isolation des Betreffenden. Er wird hinter seinem Rücken als „seltsam“, „eigenbrötlerisch“, nicht „für voll zu nehmen“ hingestellt und damit für ihm unterstellte Karriereorientierte „zum Abschuß freigegeben“, für gleichgestellte Kollegen warnend als potentielles Karrierehindernis markiert.

Je nach dem wird in heuchlerischer „Besorgnis“ die geistige Gesundheit der betreffenden Person angezweifelt („Aber niemand sonst kommt auf solche Gedanken“, „Vielleicht haben Sie sich etwas zu viel zugemutet? Brauchen Sie Erholung?“) und damit das „Problem“ bei ihr lokalisiert oder in naßforschem Ton kurz angebunden Totschlagsvokabeln wie „Sie sind entweder ein Teil der Lösung oder ein Teil des Problems!“ abgesondert. So oder so wird damit die Isolation abgeschlossen und die Person als nicht normal charakterisiert.

Der Abschluß dieser Eskalation ist meist die Attestierung mangelnder „Teamfähigkeit“, „Flexibilität“ und „Mobilität“. Bereits sprachlich wird die Schuld klar erkennbar zugewiesen: Die Person „hat ein Problem“ mit Autorität, Unterordnung oder was auch immer, die sie umgebende Funktionsstruktur steht außer Frage. Oft wird dies mit der Behauptung untermauert, bei den anderen Kollegen klappe es doch auch, nur die betreffende Person „hat Probleme damit“.

Abgesehen davon, dass dies in den meisten Fällen nicht der Realität entspricht, sondern andere schlicht resigniert oder sich widerstrebend aus Angst vor Arbeitsplatzverlust angepaßt haben, lenkt es den Blick auf das Mantra, welches reibungsloses Funktionieren verspricht: positiv denken. Aus „Geht nicht gibt’s nicht!“ wird gefolgert, dass halt „jeder seines Glückes Schmied“ sei. Jeder kann erfolgreich zu sein, und wer keinen Erfolg hat, der denkt eben nicht positiv genug.

Gravierende Probleme sind zu „Herausforderungen“ zu bagatellisieren, der Grund für Mißerfolge ist bei der eigenen Person und dessen negativer Einstellung zu suchen. Mithin ist das Denken zu kontrollieren, die Suggestion tritt an die Stelle der kritischen Reflexion, bequemerweise wird so jede Kritik ausgeschlossen. Schon das Erwägen von Gründen für das Scheitern von Vorhaben wird als negative Grundeinstellung tabuisiert („Bedenkenträger!“).

Zur Konditionierung des „positiven Denkens“ gehört, die alte Persönlichkeit auszulöschen und eine neue Identität an deren Stelle zu setzen. Ein Protagonist dieser Ideologie, Norman Vincent Peale sagt: „Strengen wir uns an, bis wir wirklich erfasst haben, dass es uns möglich ist, durch unsere Geisteshaltung unsere Zukunft positiv zu beeinflussen und zu gestalten. Schaffen wir in unserer Vorstellungskraft ein erfolgreiches Bild unserer Persönlichkeit, halten wir daran fest, bis es Wirklichkeit wird.“

Ein anderer Propagandist des „positiven Denkens“, Erhard F. Freitag, spricht die Gehirnwäsche sogar offen aus: „Beginnen Sie sofort damit, ihre Gedanken einer gewissen Kontrolle zu unterwerfen. Verbannen Sie jede negative Überlegung und jeden Zweifel.“ www.heilpraxisnet.de/symptome/psychologische-manipulation-gehirnwaesche#Manipulation

 

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«Es ist eine beispiellose Warnung an Moskau» (www.20min.ch)

US-Kampfjets haben in Syrien fünf bewaffnete Russen im Kampfeinsatz getötet. Es ist die erste direkte militärische Konfrontation der beiden Grossmächte seit Jahrzehnten. Der Zwischenfall ereignete sich zwar schon am 7. Februar, doch erst jetzt bestätigte der Kreml die Todesopfer: «Ich möchte betonen, dass es sich nicht um russische Militärangehörige handelt», sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Am Euphrat in der ostsyrischen Provinz Deir as-Saur griffen Assad-Truppen und russische Söldner eine Basis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, wo sich auch US-Militärberater aufhielten. Die Verteidiger forderten Hilfe an, und die US-Luftwaffe wehrte den Angriff mit massivem Bombardement ab.

Beide Seiten haben sich in den letzten Tagen auffallend zurückgehalten mit gegenseitigen Anschuldigungen und Vorwürfen. Zwei Kenner der Region schätzen die derzeitige Situation ein.

«Eine beispiellose Warnung»

Die USA hätten eine rote Linie ziehen wollen, glaubt Politologe Vicken Cheterian von der Genfer Webster-Universtität: «Östlich des Euphrat ist eine amerikanische Zone, dorthin dürfen weder Truppen der Assad-Regierung noch russische Söldner vorrücken.»

Weder im Georgien-Krieg 2008 noch während der Ukraine-Krise 2014 habe es eine direkte Konfrontation zwischen den Grossmächten gegeben. Doch jetzt senden die USA Drohgebärden aus. «Es ist eine bisher beispiellose Warnung in Richtung Moskau», so Cheterian zu 20 Minuten.

Dem widerspricht Muriel Asseburg von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik: «Ich gehe nicht davon aus, dass den Amerikanern in dieser Situation bewusst war, dass sie russische Söldner direkt treffen würden.»

«Putin will Syrien-Einsatz als beendet verkaufen»

Einig sind sich die beiden Politologen, dass keine der beiden Seiten eine weitere Eskalation will. Washington wolle aber eine klare Verteilung der Einflusszonen im Nahen Osten, so Cheterian: «Die wurde von Russland mit dem militärischen Eingreifen in den Syrien-Konflikt vom September 2015 infrage gestellt.» Moskau habe aber nicht die militärischen Mittel, um sich direkt mit den USA zu messen, sagt er weiter.

In Russland selbst stehe die Mehrheit der Bevölkerung nicht hinter dem Syrien-Einsatz, sagt Asseburg zu 20 Minuten: «Gerade vor den Präsidentenwahlen am 18. März will Putin deshalb die Intervention als erfolgreich und beendet verkaufen.»

Söldnerarmee kämpft in Syrien

In Russland ist es eigentlich illegal, als Söldner zu arbeiten oder Söldner anzuheuern. Trotzdem enthüllte das Internetportal Fontanka.ru 2016 die Existenz einer Söldnertruppe, geführt von dem Ex-Geheimdienstoffizier Dmitri Utkin alias Wagner. Mitglieder sind meist ehemalige Soldaten. Viele haben schon für die prorussischen Separatisten in der Ostukraine gekämpft.

In Syrien wurden sie gegen den IS eingesetzt, zum Beispiel bei der Eroberung der Städte Palmyra und Dair as-Saur. Die Söldner sind von Vorteil für die reguläre Armee, weil diese weniger eigene Verluste erleidet, die sie der Öffentlichkeit erklären muss.

http://www.20min.ch/ausland/news/story/US-Bomben-toeten-Russen—und-keinen-interessierts-16374750

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Anmerkung zu: Annegret, Angelas letzter Versuch (vera-lengsfeld.de)

Annegret, Angelas letzter Versuch

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Es ist noch nicht so lange her, da hatte Merkel in ihrem ZDF-Interview geheimnisvoll jede Menge Überraschungen angekündigt, was die Verjüngung ihres Stammpersonals betrifft.

Nun, Überraschung Nr.1 ist ihr gelungen. Annegret Kramp-Karrenbauer, der Einfachheit halber von den Medien AKK getauft, wird mit ihren 55 Lenzen den jugendlichen Tauber als Generalsekretär der CDU ersetzen. Erschreckend jung ist AKK – wenn man das DDR-Politbüro als Bezugsgröße nimmt. Bei den SED-Oberen fing mit 55 das politische Leben erst an.

Die Merkel-Medien überschlugen sich mit Huldigungen für diese überaus kluge Wahl, hatten aber sichtliche Schwierigkeiten damit zu erklären, wieso diese Entscheidung ein Signal von Erneuerung sein soll. Die ehemals bürgerliche WELT orakelte, Merkel wäre „über ihren Schatten“ gesprungen, weil sie die Partei vor Jens Spahn bewahren wolle.
„Merkel begreift die Positionierung der CDU als Partei der Mitte hingegen als ihr Erbe: Sie will weit ins linke Spektrum ausgreifen“.

Lassen wir einmal dahingestellt, warum „ein weit ins linke Spektrum ausgreifen“ das Merkmal einer Partei der Mitte sein soll. Die CDU steht bereits so weit links, dass ein weiteres weites Ausgreifen ins linke Spektrum demnächst die Linke in Bedrängnis bringen wird, weil sie von den ehemaligen Christdemokraten links überholt wird.

Vor Merkels „Überraschung“ hatte ihr Sprecher Armin Laschet bereits klar gemacht, dass Konservative in der CDU nichts mehr zu melden haben. Das war eine klare Ansage in Richtung Werteunion, die sich als einzige Gruppierung gegen eine Neuauflage der GroKo ausgesprochen hat. Eine Werteunion will die Merkel-CDU nicht.

Behauptet wird auch unverdrossen, dass die Kanzlerin damit die Weichen für ihre Nachfolge gestellt habe. Dabei hat AKK vor ihrer Ernennung in Interviews bekräftigt, dass sie sich mit aller Kraft für weitere vier Jahre Merkel einsetzen werde. Nun hat sie die beste Gelegenheit dafür. Wenn die vier Jahre rum sind, wird Merkel zum fünften Mal als Kanzlerkandidatin antreten. Sie will unbedingt Helmut Kohl an Regierungsjahren übertrumpfen. Außerdem wäre auch Honecker fast auf zwanzig Jahre gekommen, wenn die aufmüpfigen DDRler dem im Herbst 1989 nicht einen Riegel vorgeschoben hätten.

Es wird sich Merkel auch dann niemand aus der CDU in den Weg stellen. Wer es noch nicht begriffen hat, dass die jungen „Reformer“ der CDU eine Lachnummer sind, kann das jetzt an deren Reaktionen studieren.

Mike Mohring, der als Thüringer Fraktionschef und Oppositionsführer es fertig gebracht hat, dem Linke-Ministerpräsidenten Bodo Ramelow eine ungestörte Regierungszeit zu bereiten, obwohl der nur über eine Stimme Mehrheit im Landtag verfügt, durfte den Anfang machen. Nachdem er auf Twitter stolz darauf hinwies, dass er am Vortag ein Gespräch mit Merkel in Berlin führen durfte, lobte er die Wahl der Generalsekretärin in höchsten Tönen. Erstmals sei eine erfahrene Ministerpräsidentin in dieses Amt gekommen. Worin der große Vorteil liegen soll, ließ er im Dunklen.

Es scheint sowieso ein vorgegebener Wortbaustein zu sein, denn die Nachwuchshoffnung Jens Spahn äußerte sich fast wortgleich. Spahn, der schon am Aschermittwoch nicht an sich halten konnte und um ein „junges Team mit Angela Merkel an der Spitze“ flehte, ist in seiner Sucht, unbedingt einen Ministerposten auf der Merkel-Titanic zu erhaschen, zur Karikatur seiner selbst geworden. Ihm ist offensichtlich nicht klar, dass er sich so als Hoffnungsträger selbst verbrennt.

Merkel wird eher auf Widmann-Mauz und/oder Julia Klöckner zurückgreifen und mit Bundeswehr-Verderberin Ursula von der Leyen den feministischen Flügel der GroKo-Regierung ausrufen. Das klingt modern. Und wenn eine der Damen sich dann noch in die Me too-Debatte einbringt, ist frau ganz auf der Höhe des linken Zeitgeistes. Macht sich gut für das „Ausgreifen“ nach links.

Aber stopp, warum macht sich Merkel für Desaster-Uschi als Nato-Chefin stark? Damit eine potentielle Konkurrentin weit weg ist, wenn die nächste Kanzlerkandidatur ansteht. Weder Widmann-Mauz noch Klöckner können ihr da gefährlich werden. Und Männer sind nicht in Sicht, denn die CDU hat schon längst keine Männer mehr.

vera-lengsfeld.de/2018/02/19/annegret-angelas-letzter-versuch/

Ja nu, „junge Reformer“ der CDU. Welcher CDU? Gibt’s die denn noch? Falls ja, für was mag sie wohl inhaltlich stehen? Fragen Sie 2 Menschen und Sie bekommen 3 Antworten. Und was soll bei einer Werteruine wie der „C“DU wohl noch „reformiert“ werden? „Neugründung“ wäre eher angesagt…

Auch der Begriff „Nachwuchshoffnung“ lockt nur resigniertes Abwinken hervor: Der Nachwuchs hat Hoffnung auf die eigene Karriere, dass ist aber dann auch schon alles. Ein bekennender Homosexueller wie Jens Spahn wird bürgerlichen Wählerkreisen allen Ernstes als „Konservativer“ verkauft, bei dem ihre herkömmliche Familienideale in den besten Händen wären und Frau Kramp-Karrenbauer ist heute mit ihren, bei Wikipedia mühelos nachlesbaren, Forderungen wie etwa Einführung einer Frauenquote oder ihre Unterstützung der Flüchtlingspolitik eine bürgerliche Politikerin „der Mitte“. Nur, dass halt diese „Mitte“ das Gedankengut des linksliberalen FDP-Flügels der Vergangenheit repräsentiert, was der Masse gerade per medialer Gehirnwäsche als „bürgerlich-konservativ“ eingebläut wird.

Angesichts der sog. „Konkurrenz“ geschmeidiger Weinköniginnen und gescheiterter Jurastudentinnen ist Frau Kramp-Karrenbauer für die Nachfolge von Frau Merkel allerdings „bestens aufgestellt“, wie es im Berliner Politsprech so schön heißt, hat sie doch im beschaulichen Saarland schon „Jamaika“- und „GroKo“-Erfahrungen gemacht. Also Regierungsbündnisse mit Grünen und der SPD, also zwei von drei Exponenten der „Linksfront“ – aber halt, der Begriff wird ja nur in Wahlkampfzeiten aus der Mottenkiste geholt…

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Die Zwillingskrise (cicero.de)

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Die Zwillingskrise

 

Nicht die Kanzlerin hat den Niedergang konservativer Politik ausgelöst, sondern umgekehrt: Ihr Aufstieg ist eine Folge dieses Niedergangs. Die Konzentration der Kritik auf Angela Merkel zeugt von dem Wunsch, eine politische Strömung zu retten, die es nicht mehr gibt.

Kürzlich hatte ich einen Traum. Ich träumte, abends vor dem Fernseher zu sitzen und plötzlich einer ungewöhnlichen Programmänderung gewahr zu werden: Nein, keine Naturkatastrophe, auch kein erneuter Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt eines ohnehin Gescheiterten war der Grund. Es war viel skurriler: Die Talkrunde musste mangels diskussionswilligen Personals entfallen. Bevor ich ernsthaft die Existenz des Paradieses in Betracht ziehen konnte, wachte ich auf. Ein wenig fühlte ich mich angesichts der Absage der außerplanmäßigen „Anne-Will“-Sendung am letzten Sonntag an diesen Traum erinnert. Wenn sich aber Regierende wie auch oppositionelle Politiker nicht einmal mehr am Faschingssonntag zum gegenseitigen Einseifen in die Öffentlichkeit locken lassen, dann muss die Lage schon besonders sein, oder etwa nicht?

Die Krise der Dinos

Sonderlich ist nach der geglückten Sondierung der Sonderbaren jedoch weniger die Lage an sich als vielmehr die Art und Weise, in der dieser Prozess diskutiert wird. Fassungslosigkeit, Empörung und Aufgeregtheit sind zum Dauerzustand geworden, in dem der einordnende Rückblick in die jüngere Vergangenheit oft zu kurz kommt. Was ist denn schon Überraschendes passiert? Zwei arg gerupfte, aber eben rechnerisch nicht entmachtete Regierungsparteien schicken sich unter enormem Getöse und Gestöhne an, ihr ungeliebtes Bündnis fortzusetzen. Dass sich in beiden Parteien Widerstand regt, ist das Mindeste, was man von demokratischen Organisationen erwarten sollte. Naturgemäß hat es der Widerstand in einer führenden Regierungspartei schwerer als bei einem noch stärker gebeutelten Juniorpartner, noch dazu, wenn dieser seine Retter ungefähr so häufig austauscht wie der Hamburger SV seine Trainer.

Man mag mir den Vergleich verzeihen: Aber betrachtet man den Zustand der SPD durch die Scheuklappen der Tagesaktualität, wird das Leiden des eingefleischten HSV-Fans nachvollziehbar: Die Gegenwart erscheint als Aneinanderreihung von immer neuen und tiefer werdenden Krisen. Jedes vermeintlich neue Gesicht wird sogleich messianisch überhöht, wenn auch nur bis zur nächsten Krisenzuspitzung. „Opposition“ klingt für den deutschen Partei-Dino genauso wie „zweite Liga“ für den Bundesliga-Dino: Ein Gang dorthin mag der Erneuerung Vorschub leisten – doch welcher Dinosaurier verträgt schon Erneuerung? Denn genau in dieser liegt die Gefahr: Ohne neue Ideen wird der Wiederaufstieg kaum gelingen.

Schlimmer als der Stillstand sind naive Erklärungsversuche

Aus Krisen kann man etwas lernen, heißt es. Daraus folgt aber auch: Eine Krise gewinnt nicht nur durch das Handeln der führenden Akteure an Tiefe, sondern kann auch durch eine wenig konstruktive Auseinandersetzung mit ihren Ursachen zugespitzt werden. Im Falle der politischen Entwicklung in Deutschland ist die Debatte fast krisenhafter als die Situation selbst. Deutlich wird dies etwa an der Forderung, die Politik möge doch endlich mit der Personaldebatte aufhören und in die inhaltliche Diskussion einsteigen. Das dahinter stehende Denken offenbart das ganze Ausmaß des intellektuellen Dilemmas. Fakt ist: Die Unfähigkeit zur klaren und inspirierenden Formulierung von Standpunkten – seien sie konservativer oder sozialdemokratischer Natur – ist kein neues Phänomen, sondern seit Jahrzehnten altbekannt.

Dass in der Politik immer stärker der Fokus auf Personen liegt, ist eine logische Folge dieses inhaltlichen Niedergangs – und nicht sein Auslöser. Dieser Niedergang prägt seit so langer Zeit die politische Kultur, dass es mittlerweile kaum noch Akteure gibt, die anders könnten, wenn sie denn wollten. Die heute führende Politikergeneration kennt harte politische Kontroversen als Mittel der konstruktiven Fortentwicklung von Demokratie fast nur noch aus den Archiven. Es gibt im heutigen Berlin keinen Schalter, den man nur umlegen bräuchte, um die inhaltliche Debatte wieder zu entfachen. Eben dies aber von dem agierenden Personal zu fordern, ist Ausdruck einer völligen Fehleinschätzung. Die eigentliche Krise ist viel grundlegender, viel älter und viel ernster.

Angela Merkel: ein Kind der Konservatismus-Krise

Die Personalisierung von Politik ist also nicht Ursache, sondern Konsequenz ihrer inhaltlichen Entleerung. Daher geht auch die Konzentration auf einzelne Akteure an der eigentlichen Problematik vorbei. Die Kritik an Angela Merkel macht die Kanzlerin verantwortlich für den Verlust des konservativen Markenkerns der CDU. Geäußert wird diese Kritik nicht nur von der oppositionellen „Alternative für Deutschland“. Sie kommt auch vom aufbegehrenden Parteinachwuchs wie auch aus der alten Garde der CDU, die allesamt in den letzten Jahren von der Kanzlerin an den Rand gedrängt wurden oder aber von sich aus in die Wirtschaft oder in den Ruhestand gegangen sind.

Sicherlich hätte ein wirklich konservativer Kopf Entscheidungen wie die für den Atomausstieg, für die Abschaffung der Wehrpflicht oder für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe niemals so lapidar treffen können, wie es Merkel tat. Und dennoch hat nicht die Kanzlerin den Niedergang konservativer Politik ausgelöst. Tatsächlich ist ihr Aufstieg selbst eine Folge dieses Niedergangs. Die Konzentration der Kritik auf die Person Merkel zeugt entweder von politischer Amnesie oder von dem bewussten Streben, den Konservatismus als eine politische Strömung zu retten, die es bereits seit vielen Jahren nicht mehr gibt. Da diese Verklärung das Problem falsch verortet, führen auch die daraus abgeleiteten „Lösungen“ („Merkel muss weg!“) zwangsläufig ins Leere.

Schon Kohl rang um Erneuerung – vergebens

Der Niedergang des Konservatismus in Deutschland ist so alt, dass er bereits vor Beginn der Amtszeit von Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der achtziger Jahre greifbar war. Schon sein sozialdemokratischer Vorgänger Helmut Schmidt hatte mit dem vielzitierten Satz, wer Visionen habe, möge zum Arzt gehen, ein demotivierendes Politikverständnis an den Tag gelegt. Es war kein Zufall, dass sich gerade zu diesem Zeitpunkt mit den Grünen eine Anti-Parteien-Partei links von der SPD gründete.

Insbesondere Kohls krachend gescheitertes Projekt einer „geistig moralischen Wende“ wurde zum Symbol der damals schon als tief empfundenen bürgerlichen Sinnkrise. Spätestens mit der fast lautlosen Schaffung eines Bundesministeriums für Frauen sowie für Umwelt Mitte der achtziger Jahre waren die ohnehin nur kosmetischen Versuche einer konservativen Erneuerung endgültig Makulatur. Seither stand Kohl nicht mehr für einen Rechtsruck, sondern für eine Politik des bräsigen Aussitzens. Nicht umsonst zeigten sich bereits in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre im Erstarken rechtslastiger Protestparteien erste Erosionserscheinungen. Die Abwahl der Kohl-Regierung war nur noch eine Frage der Zeit. Aufschub wurde ihr lediglich durch ein auswärtiges Ereignis gewährt: durch die Revolution in der DDR.

Der Niedergang von Links und Rechts

Aber selbst der Kollaps des Sozialismus konnte den Niedergang des Konservatismus nicht aufhalten, im Gegenteil: Das Wegbrechen der Gegenseite im „Links-Rechts-Denken“ offenbarte sehr schnell die eigene Leere. Besonders stark ausgeprägt war diese ideelle Verwurzelung in der alten Bundesrepublik. Deren Elite hatte es sich in der Teilung bequem eingerichtet und diese nicht zuletzt finanziell stabilisiert. Das Streben nach der Wiedervereinigung war nicht mehr als eine Floskel für politische Sonntagsreden. Entsprechend schnell verflog dann auch die Wiedervereinigungs-Euphorie: Schon 1992 wurde im frisch vereinten Deutschland „Politikverdrossenheit“ zum Unwort des Jahres gewählt. Die Herstellung der inneren Einheit geriet zu einer fast endlosen Belastung, die die ohnehin träge politische Kultur des Landes endgültig lahmzulegen drohte.

Da es gleichzeitig der SPD über viele Jahre hinweg nicht gelang, eine Aufbruchsstimmung und die dafür notwendige inhaltliche Neuorientierung zu erzeugen, fanden sich die Menschen weitgehend mit der politischen Stagnation ab – sieht man von gelegentlichen Ausbrüchen der Wählerwut ab, die teilweise rechter, teilweise regional-ostdeutscher oder schlicht politikverdrossener Natur waren. Die zurückgehende Anziehungskraft der Parteiendemokratie zeigte sich auch in der Hinwendung der Eliten zu einer dem Wählerzugriff weitgehend entzogenen neuen Ebene politischen Agierens: der Europäischen Union.

Friedhof der Ideologien und der Demokratie

Die inhaltliche Entkernung der CDU ist so weit fortgeschritten, dass die Partei heute unfähig ist, ein auch nur halbwegs glaubwürdiges Profil abzubilden. Angela Merkel ist hierbei genauso ein Produkt dieser Entwicklung wie die AfD. Und gerade deswegen brauchen beide einander. Das Glaubwürdigkeitsproblem der Merkel-CDU spiegelt sich in den internen Spannungen der Deutschalternativen wider: Da mit einem gemäßigten „echten“ Konservatismus, wie ihn pragmatische Kreise innerhalb der Partei propagieren, seit Jahrzehnten kaum etwas zu gewinnen ist, ist die AfD zusätzlich auf Scharfmacher angewiesen. Noch mag sie mit der zur Schau getragenen Bravheit im Bundestag Aufsehen erregen. Doch langfristig ist „konservativ“ heute nur noch in der pornografischen Überspitzung seiner völkisch-nationalistischen Dimensionen „aufregend“ – wenngleich diese Art der Aufregung der AfD auf dem Weg in die Mitte nicht gerade nutzt.

Im Freilichtmuseum Deutschland können aktuell die Auswirkungen einer Zwillingskrise besichtigt werden: Der Niedergang des Konservatismus wie auch der Sozialdemokratie haben die politische Landschaft in einen Friedhof der Ideologien und der Demokratie verwandelt. Nur in dieser von Verwesung und Verfall geprägten Umgebung kann eine Formation wie die AfD überhaupt als vergleichsweise „stabil“ und profiliert erscheinen. Bislang hat sich neben der alten Rechts-Links-Achse noch keine neue Achse etabliert, an der sich neue Strömungen bilden könnten. Auch radikale Versuche der Wiederbelebung dieser Achse werden keine nachhaltige Eigendynamik entfalten können. Derzeit gelingt es keiner Orientierung, über die Abwendung der Apokalypse hinaus positive Ziele zu entwerfen, die es bräuchte, um Menschen für eigene Entwürfe zu begeistern. An der Bereitschaft, sich inspirieren zu lassen, mangelt es nicht, wohl aber am Angebot.

https://www.cicero.de/innenpolitik/angela-merkel-cdu-konservative-parteienkrise

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Vernichtendes Echo (jungefreiheit.de)

JUNGE FREIHEIT

 

 

Vernichtendes Echo

16. Februar 2018

Alles spricht dafür, daß die innenpolitische Krise, die Angela Merkel mit ihrem eigensüchtigen Vorgehen in der Koalitionsfrage ausgelöst hat, längst noch nicht vorüber ist. Im Gegenteil deutet manches darauf hin, daß die entscheidende Runde erst noch bevorsteht.

Deutlichstes Zeichen dafür ist der Umstand, daß der Name, der schon seit längerem, wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand, immer dann zu hören war, wenn über die Zukunft der Partei spekultiert wird, jetzt auch von der FAZ offen genannt wird, der Name Friedrich Merz. Merz war eine der großen Hoffnungen der ehemals großen Volkspartei CDU. Vielleicht könnte er sie wieder werden.

Vor Jahren war Merz, Vorgänger Merkels das Chef der Bundestagsfraktion, einer Intrige zum Opfer gefallen, die seine Freundin Angela (die beiden pflegten sich zu dutzen) zusammen mit dem damaligen CSU-Vorsitzenden Stoiber gegen ihn gesponnen hatte. Die beiden hatten ein Tauschgeschäft zum gegenseitgen Vorteil, aber zum Schaden des Landes abgeschlossen, als sie sich darauf verständigten, Stoiber bei der Kanzlerkandidatur den Vortritt zu lassen, wenn er dazu bereit wäre, Merz als Vorsitzenden der gemeinsamen Bundestagsfraktion zu opfern. Stoiber verlor die Wahl, und damit war der Weg frei für Angela Merkel.

Lächerliche Parolen

Merz regierte mit dem Entschluß, der Welt zu zeigen, daß er auch anders konnte. Im Unterscheid zu den vielen, die von der Politik leben wollen oder müssen, weil sie im Beruf nicht weiterkommen oder rundweg gescheitert sind, hing er an keinem Amt und keinem Mandat. Er wurde Anwalt, erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, als Vorsitzender der Atlantik-Brücke der Politik zwar weiterhin verbunden, aber nicht abhängig von ihr. Genau der Typ also, an den das Grundgesetz denkt, wenn es vom Volksvertreter verlangt, nur seinem Gewissen verantwortlich zu sein, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden.

Es könnte also doch noch einmal spannend werden. Und das läßt fragen, ob und wie sich die AfD auf einen Umschwung der Dinge vorbereitet hat. Die Antwort ist enttäuschend, sie lautet: gar nicht. Im Gegenteil: Die lächerlichen Parolen, mit denen einige ihrer Wortführer am Aschermittwoch glaubten Stimmung machen zu sollen, haben ein vernichtendes Echo gefunden.

Unabhängig davon, ob man den Auslassungen der Poggenburgs, der Höckes und wie sie alle heißen etwas abgewinnen kann, bleibt es eine Tatsache, daß sie der Partei schaden. Wenn Poggenburg seine Tiraden eine Satire nennt, beweist das nur, daß er nicht nur von Politik, sondern auch von Satire keine Ahnung hat.

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Konrad Adam ist Mitbegründer der AfD und war von 2013 bis 2015 einer ihrer drei Bundessprecher.

https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2018/vernichtendes-echo/

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